Samstag, 29. März 2003

Graz: Gorbatschow ins Goldene Buch eingetragen

  • "Demokratie stützt sich auf Initiative der Bevölkerung"

Zum Abschluss seines Graz-Besuches besuchte der frühere Staats- und Parteichef der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, das Grazer Rathaus und trug sich ins Goldene Buch der steirischen Landeshauptstadt ein. Zur Begrüßung von Gorbatschow - er war gemeinsam mit dem früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl am Freitagabend Gast beim "Dialog für Europa" in der Grazer Stadthalle gewesen - fand sich die gesamte, erst diese Woche neu angelobte Grazer Stadtregierung ein.

Der neue Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (V) nannte Kohl und Gorbatschow die "Architekten" der Deutschen Einheit. Man sei "dankbar, sehr dankbar, dass Sie die Geschichte Europas in eine solche Richtung gelenkt haben. Sie haben die Tore Europas einen Spalt aufgemacht - so ist auch Graz, das fünf Jahrzehnte lang in einer Randlage war, wieder in das Zentrum Europas gerückt". Dadurch täten viele Chancen auf", so Nagl gegenüber dem kürzlich 72 Jahre alt gewordenen Gorbatschow.

Gorbatschow selbst forderte in seiner Dankesrede an die Grazer Stadtoberen dazu auf, sich nicht nur auf die Politik zu verlassen. "Die BürgerInnen müssen Aktionen setzen, das ist ein normaler demokratischer Prozess. Eine Demokratie muss sich auf die Initiativen der Bevölkerung stützen können, die BürgerInnen sind verpflichtet, an der Demokratie teilzunehmen und sie zu stärken", so Gorbatschow. Zu Nagl meinte der russische Friedensnobelpreisträger scherzhaft: "Ich habe Ihnen gestern zu Ihrem ersten Arbeitstag gratuliert. Sie haben ja gleich mit internationalen Sachen begonnen, aber Ihre Hauptaufgabe ist doch eigentlich Graz." Außerdem kündigte Gorbatschow an, in fünf Jahren wieder nach Graz zu kommen - "aber nur, wenn Sie wieder die Wahlen gewinnen."

Zum Abschuss seines Besuchs besichtigte Gorbatschow die Grazer Wahrzeichen wie Schloßberg mit Uhrturm sowie das Zeughaus mit der hiostorischen Waffensammlung

29.3.2003 15:12