Dienstag, 25. März 2003

VCÖ startet Kampagne für ein Lärmschutzgesetz

  • Unterschriftenaktion: Straßenverkehr als Lärmquelle Nummer 1
  • "Politik darf sich nicht taub stellen"

4,8 Millionen Menschen in Österreich wohnen in Gegenden, in denen der dauerhafte Verkehrslärm über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt und von dieser als gesundheitsschädlich eingeschätzt wird. Darauf wies der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) bei einer Pressekonferenz in Wien hin. Der VCÖ startet nun unter dem Motto "Verkehrslärm einbremsen" eine Unterschriftenaktion für ein Lärmschutzgesetz.

Die Empfehlungen der WHO liegen bei einem Dauerschallpegel von maximal 45 Dezibel nachts und 55 Dezibel untertags. Die österreichischen Richtwerte sind höher: 55 Dezibel in der Nacht und 65 bei Tag. Laut DI Wolfgang Rauh, Leiter des VCÖ-Forschungsinstituts, wohnt jede zehnte Person in Österreich in einem Gebiet, in dem der nationale Richtwert vom Straßenverkehrslärm übertroffen werden. "Von Verkehrslärm Betroffene können sich zur Zeit rechtlich nicht helfen", kritisierte Rauh.

Permanenter Verkehrslärm kann medizinischen Studien zufolge zu Bluthochdruck, Stresssymptomen, Konzentrationsstörungen und erhöhtem Herzinfarktrisiko führen. Laut einer von Rauh zitierten Studie des Robert Koch-Instituts in Berlin haben Menschen, die nachts vor ihrem Schlafzimmerfenster einen mittleren Schallpegel von mindestens 55 Dezibel haben, ein fast doppelt so großes Risiko, wegen Bluthochdrucks in Behandlung zu sein, wie Personen, bei denen dieser Wert unter 50 Dezibel liegt.

Laut Mikrozensus der Statistik Austria fühlen sich 80 Prozent der unter Verkehrslärm leidenden Bevölkerung durch den Straßenverkehr gestört, zehn Prozent von untertags von der Bahn, acht Prozent vom Flugverkehr und zwei Prozent von Straßenbahnen. Die Belastung wird aber noch zunehmen, warnt der VCÖ: Bis zum Jahr 2010 werde der Verkehr auf den heimischen Straßen um rund 25 Prozent steigen. Für Wien-Schwechat sei bis dahin eine Verdoppelung der Flugbewegungen vorausgesagt, für den Flughafen Innsbruck eine Zunahme um 60 Prozent.

"Die Politik darf sich nicht taub stellen gegenüber den Bedürfnissen der lärmgeplagten Bevölkerung", verlangte Rauh. Nach den Vorstellungen des VCÖ sollen in einem Lärmschutzgesetz verbindliche Grenzwerte, ein Anspruch auf Lärmschutz sowie auf finanzielle Entschädigungen festgelegt werden. Darüber hinaus strebt der VCÖ ein Lkw-Nachtfahrverbot in stark belasteten Regionen und ein Nachtflugverbot nach Schweizer Vorbild sowie die Einführung lärmabhängiger Landegebühren wie in Zürich-Kloten an. Dieser Airport würde von weniger lauten Maschinen angeflogen als Schwechat.

25.3.2003 14:06