Wiener Hauptbücherei: Der Countdown zur Eröffnung
- Besucher dürfen am 8. April erstmals schmökern
- Rund 300.000 Publikationen und Medien in sechs "Colleges"
Ein Blickfang ist es schon seit längerer Zeit, bald kann es auch benutzt werden: Das neue Hauptgebäude der Wiener Büchereien beim Urban-Loritz-Platz am Wiener Gürtel. Für den 7. April ist die feierliche Eröffnung angesetzt, einen Tag später erfolgt die Aufnahme des regulären Betriebs. Laut Bibliotheks-Sprecher Gunther Laher läuft derzeit alles nach Plan. Mit Hochspannung wartet er auf die ersten Öffnungs-Tage. "Wir werden gestürmt werden", zeigte er sich über das erwartete Interesse erfreut, aber auch besorgt.
Zu Spitzenzeiten werden mehr als 3.000 Besucher pro Tag erwartet. Rein theoretisch können sogar bis zu 5.000 Personen im Komplex Platz finden. "In den ersten Monaten wird die Hälfte der Bücher sicher entlehnt sein", nimmt Laher an. Imposant auch andere Zahlen: Den Benutzern stehen auf rund 5.000 Quadratmetern Hauptnutzfläche insgesamt 240.000 Bücher und Zeitschriften und 60.000 elektronische Medien zur Verfügung. Das Gebäude selbst ist 150 Meter lang und 22 Meter hoch, seine Errichtung hat rund 28 Mio. Euro gekostet.
Standort umstritten
Der Standort des modernen Baus mit seiner großen Freitreppe war unter Lesebegeisterten bisher nicht sonderlich berühmt. Das einzige Geschäft in der Nachbarschaft, in dem Publikationen in größerem Umfang aufliegen, bietet neben Büchern auch noch "Magazine, Gummi, Scherzartikel" an, wie über dem Eingang zu lesen ist. Im Rahmen der Revitalisierung des als Rotlicht-Meile und Verkehrshölle berüchtigten Straßenzuges wurden jedoch kulturelle Initiativen forciert.
Bücherei als Erlebnisraum
Auch die neue, von Ernst Mayr entworfene Hauptbücherei soll nicht nur Bücherwürmer anziehen, sondern zudem ein "Erlebnisraum" werden, wie Laher betont: "Es ist ein völlig offenes Gebäude, man kann hier sicher locker einen halben Tag verbringen und zwischendurch sogar auf einen Kaffee gehen." Das zum Teil schon in Betrieb befindliche Bibliotheks-Cafe "Canetti" am Dach des Hauses wird in Zukunft sogar über eine 2.000 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen. Die anschließende Freitreppe ist angesichts der ersten Frühlingswärme schon vor der Eröffnung der Bücherei zum Treffpunkt sonnenhungriger Passanten avanciert.
Sechs "Colleges" oder Abteilungen
Im Haus selbst warten auf die Besucher sechs "Colleges", wie die Abteilungen genannt werden. Diese definieren sich nach ihrem Inhalt und nicht nach der Art der aufliegenden Medien. Internet, CD-ROM und Datenbanken ergänzen die Printangebote in allen Bereichen - welche da sind: "Literatur und Sprache", die Reise- und Geschichtsabteilung "Lokal-Regional-Global", "Standpunkte" mit Themen wie Recht oder Philosophie, eine Kinderabteilung, der "Kunstraum" sowie die Technik- und Wissenschaftsabteilung "Know-how".
Entlehnung ohne Bibliothekar/in
Die neue Hauptbücherei ist nicht nur eine Bibliothek zum Entlehnen, was dank moderner Technik jeder Benutzer allein bewerkstelligen kann. Viele werden sie auch nur zum Studieren oder Schmökern in Anspruch nehmen, ist Laher überzeugt. Neben zahlreichen PC- und Internetarbeitsplätzen stehen auch Video/DVD- sowie Audiogeräte zur Verfügung. Der Hörgenuss etwa beim Abspielen einer Schallplatte ist dabei ungetrübt: Lärm von draußen dringt kaum in die zwischen den Gürtel-Fahrbahnen und über einer U-Bahn-Station errichtete Bücherei. Dafür sorgen dicke Wände und spezielle Lärmschutzfenster.
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