Montag, 17. März 2003

Bleibt Telefonnummer bei Anbieter-Wechsel bald gleich?

  • Regulierungsbehörde kann Studie über Kosten nicht beurteilen
  • Nummernportierung: Serentschy will "gut zureden"

Georg Serentschy wird in Sachen Rufnummernportierung (MNP) im Mobilfunk keine Entscheidungen treffen, solange es keine gesetzliche Grundlage samt darauf beruhender Verordnung des Ministers gibt. Derzeit könne er den Mobilfunkern nur "gut zureden", stellte der Geschäftsführer des Fachbereiches Telekom der Rundfunk- und Telekom-Regulierungs GmbH klar.

Wie berichtet hatte tele.ring-Chef Hubertus J. Hofkirchner ein "Machtwort des Regulators" in strittigen Punkten gefordert. Auch Bernhard Wiesinger von 3 hatte ein Verfahren bei der RTR zur Entscheidungsfindung als notwendig dargestellt. Laut einer EU-Richtlinie muss Österreich ab 25. Juli Mobilfunkkunden die Möglichkeit geben, beim Wechsel des Anbieters ihre Telefonnummer inklusive Netzbetreiberkennzahl mitzunehmen. Allerdings fehlt bislang eine Umsetzung dieser "Mobile Number Portability" in nationales Recht. Auf die Frage, ob sich MNP bis 25. Juli noch realisieren lasse, sagte Serentschy: "Der Termin 25. Juli kann sich nur mit einer Interimslösung ausgehen." Einer solchen Interimslösung müssten alle Mobilfunk-Netzbetreiber zustimmen.

Provider haben Positionen bezogen
Die Fronten bei den Providern sind aber verhärtet. Die kleineren Netzbetreiber erhoffen sich von der Rufnummernportierung eine Verschiebung der Marktanteile vor allem bei Geschäftskunden zu ihren Gunsten, während die größeren Anbieter MNP eher reserviert gegenüberstehen und nur geringe Auswirkungen erwarten. Entsprechend wünscht sich Hofkirchner von Serentschy rasche Entscheidungen über einen festen Einführungstermin, über Pönalen für säumige Provider und in einigen technischen Streitfragen. "Der Regulator hat hohe Verantwortung und ist sich dessen bewusst. Es gibt großen Druck von verschiedener Seite auf ihn; wir hoffen, er lässt sich dadurch nicht beeindrucken", so Hofkirchner.

Win-Win-Lösung für alle
Serentschy aber sieht keine Möglichkeit zu Entscheidungen, solange es keine Grundlage durch ein österreichisches Bundesgesetz und eine auf dessen Grundlage durch den zuständigen Minister erlassene Verordnung gibt. Da Gesetz- und Verordnungserlassung aber Zeit in Anspruch nehmen, könnte die MNP-Einführung bis Herbst verzögert werden. Doch der Regulator hat die Hoffnung auf fristgerechte Umsetzung noch nicht aufgegeben: "Uns ist wichtig, dass die europäische Rahmenrichtlinie möglichst rasch und ressourceneffizient umgesetzt wird. Wir arbeiten im Hintergrund still mit den Operatoren und anderen Beteiligten und versuchen Lösungen zu erwirken." Auf die Frage, auf welche Weise er gegenwärtig Druck auf die Beteiligten ausüben könne, meinte Serentschy: "Gut zureden." Aber er weiß auch: "Die Kunst des Verhandelns besteht darin, eine Win-Win-Lösung für alle zu finden."

Auf die von DMR Consulting präsentierte Studie, wonach die Einführung der Rufnummernportierung im Mobilfunkbereich und der Betrieb der entsprechenden Systeme bis 2006 Kosten von 72,4 Mio. Euro verursachen würde, angesprochen, sagte Serentschy: "Wir können aus den vorliegenden Unterlagen nicht entnehmen, worauf sich diese Zahlen beziehen. Daher können wir die Ergebnisse weder bestätigen noch dementieren." Hofkirchner hatte die Zahlen als "um den Faktor zehn zu hoch gegriffen" bezeichnet, auch Wiesinger geht von deutlich niedrigeren Kosten aus.

Anders sieht das mobilkom austria: "Ob die Kosten für alle jetzt fünf Mio. höher oder niedriger ausfallen werden, können wir nicht sagen. Aber die Größenordnung kommt hin", meinte mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes gegenüber pressetext.austria.

Weitere Informationen:

  • RTR-Website
  • Hutchison ("3")-Website
  • DMR Consulting-Website
  • mobilkom austria-Website

    17.3.2003 09:48