Schnelles Geschäft im Internet für Banken ein Flop
- Heimische Online-Broker fristen ein Schattendasein
- Raiffeisen-trade.com & Co. auf Sparflamme
·Unwohlsein
Web-User geizen bei Datenangabe
·EU-Website
Neue Verbraucher-Website geht online
Das schnelle Geschäft im Internet hat sich auch für die österreichischen Banken als Flop erwiesen. Raiffeisen-trade.com wurde mittlerweile wieder in die RZB reintegriert und die Aktivitäten auf ein Minimum reduziert. Der Erste-Bank-Online-Broker ecetra schreibt noch immer tiefrote Zahlen und verzögert seine Ostexpansion. Die HVB-Tochter direktanlage.at, gedacht als Online-Arm der BA-CA, wird nach wie vor aus München gesteuert. Insgesamt wurden Millionen in den Sand gesetzt.
Noch vor wenigen Jahren schossen Online-Broker, die Börsenaufträge ausschließlich über Telefon und Internet abwickelten, wie Pilze aus dem Boden und wurden von Neukunden überschwemmt. Auch die österrreichischen Großbanken wollten an diesem Kuchen mitnaschen und gründeten ihre eigenen Internet-Ableger. Die Bilanz aus heutiger Sicht ist allerdings vernichtend.
Der Aufbau von raffeisen-trade.com (RTC) war zwar sehr ambitioniert, kam aber um ein paar Jahre zu spät. Im April 2000, noch am absoluten Höhepunkt des Börsenhypes, kündigte die RZB erstmals die Zusammenarbeit mit dem US-Broker trade.com an und träumte bereits von der Marktführerschaft. Nach zahlreichen Verzögerungen und dem Absprung des mittlerweile bankrotten US-Partners wurde das Baby schließlich von der RZB allein aus der Taufe gehoben. "Wir befanden uns beim Start leider schon im Abschwung des Börsenhypes", so RZB-Sprecher Michael. In der Hochphase habe die RTC 30 Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile sei das einstmals eigenständige Unternehmen in der RZB aufgegangen und beschäftigt noch zehn Mitarbeiter. Insgesamt habe man elf bis 14 Mio. Euro in den Aufbau investiert, schwarze Zahlen wurden allerdings nie geschrieben. "RTC läuft derzeit auf Sparflamme. Wenn der Bedarf wieder da ist, werden wir wieder durchstarten", so Palzer.
ecetra erst in zei Jahren mit Profit
Auch die Erste Bank hat im Internet ihr Lehrgeld bezahlt. Der Online-Broker ecetra startete ebenfalls viel zu spät, erst vor zwei Jahren. Ursprünglich sollte ecetra auch bei den Erste-Bank-Töchtern in CEE online gehen. Daraus wurde allerdings nichts. "Eine Expansion ist geplant", bestätigte ecetra-Sprecherin Patricia Strampfer. "Der erste Schritt war der Aufbau in Österreich, der nächste Schritt wird Ungarn, Tschechien und die Slowakei sein." Die Frage, wann ecetra in diesen Ländern online gehen wird, konnte sie nicht beantworten. Insgesamt habe die Erste Bank rund 50 Mio. Euro in den Online-Broker investiert. Aber auch hier flossen noch keine Gewinne. "Wir rechnen damit, 2005 den Breakeven zu erreichen", meinte Strampfer. Ecetra zählt derzeit rund 15.000 Kunden.
Käufer für direktanlage.at gesucht
Die BA-CA wiederum hat bis dato wenig Freude mit der HypoVereinsbank (HVB)-Tochter direktanlage.at. Als die BA-CA vor zwei Jahren von der HVB übernommen wurde, sollte ihr auch die direktanlage.at "umgehängt" werden. direktanlage.at-Chef Ernst Huber soll mehrmals persönlich im BA-CA-Vorstand vorgesprochen haben und hoffte, dass sich Österreichs größte Bank direkt an seinem Broker beteiligt, berichtet das Industriemagazin. Der Online-Broker könne immerhin auf 26.000 Kunden verweisen. Allerdings blieb der Online-Broker rechtlich bis heute im Eigentum der HypoVereinsbank und bekommt seine Direktiven aus München. Laut Industriemagazin sucht die Münchner Mutter bereits nach einem Käufer. Im Januar 2003 wurden die Internet-Banken in der Schweiz und in Frankreich verkauft. Huber versucht mittlerweile mit neuen Strategien seine Bank zu retten. So hat die direktanlage.at im Vorjahr vier "Anlage-Center" in Bregenz, Salzburg, Linz und Wien eröffnet, wo sich Kunden auch offline beraten lassen können.
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