Es ist Krieg: Der Sturm auf Saddam geht los
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Der Krieg beginnt mit Massenbombardements. Danach sollen amerikanische Soldaten von drei Seiten auf Bagdad marschieren. News-Reporter Thomas Seifert zählt zu den wenigen Journalisten, die während des Krieges aus Bagdad berichten.
Es ist Frühling in Bagdad. Die schönste Jahreszeit, wie die Bewohner der Hauptstadt sagen. Am Morgen ist es angenehm kühl. Untertags sind die Temperaturen für mitteleuropäische Verhältnisse hochsommerlich warm. Herrliche Tage könnten das sein. Aber es ist Krieg. Als am Montag die UN-Inspektoren das Land verließen, wusste jeder, was das zu bedeuten hat. Der Countdown ist abgelaufen. Schon am Sonntag hatte Saddam Hussein den Kriegszustand ausrufen lassen. Vor den Tankstellen stehen seither lange Schlangen. Die Menschen decken sich mit Wasser und Nahrungsmitteln ein. Kaufleute am Zentralmarkt lassen ihre Geschäfte geschlossen. Viele haben aus Angst vor Plünderungen ihre Waren mit nachhause genommen. In der Karrada, noch vor wenigen Tagen eine geschäftige Einkaufsstraße, lässt der Besitzer eines Elektrogeschäfts die Schaufensterfront zumauern. In der Arasat Al Hindia, wo die Oberschicht Bagdads Luxusgüter einkauft und sich kulinarisch verwöhnen lässt, stehen Passanten vor geschlossenen Rollläden. Kehraus vor dem Krieg.
Eine Stadt hält den Atem an
Auf den Straßen sind nur mehr wenige Autos zu sehen. Wo früher kaum ein Durchkommen war, ist heute lähmende Leere. Und Stille. Das orientalische Hupkonzert, das sonst als Lärmglocke über der Stadt liegt, ist verstummt. Es gibt keinen Grund zu hupen.
Das Informationsministerium, das bis vor kurzem vor Aktivität brummte, wirkt verwaist. Sat-Schüsseln werden abgebaut, Büros geschlossen. Viele Journalisten haben das Land verlassen. In den kommenden Tagen arbeitet die Presse in den großen Hotels der Stadt – dem Hotel Palestine, dem Hotel Mansour und dem Rashid. Es sind nur noch wenige Österreicher in der Stadt: Gregor Mayer, Korrespondent der Deutschen Nachrichtenagentur DPA, Antonia Rados, Fernsehjournalistin bei RTL, der Maler Mario Arbesser und der „menschliche Schutzschild“ Gabriele Raich, eine Friedensaktivistin. Von Wien kommend, ist der österreichische Anästhesist Peter Grohr in Bagdad eingetroffen. Er soll für „Ärzte ohne Grenzen“ in einem Spital in Saddam City tätig werden.
Wie noch vor einigen Wochen in Washington, D. C., ist breites Klebeband ein Verkaufsschlager. In der amerikanischen Hauptstadt wurde es gekauft, um bei einem Chemiewaffenangriff Türen und Fenster abzudichten. In der irakischen Hauptstadt dagegen werden die Fenster x-förmig verklebt. Die Irakis wissen aus leidvoller Erfahrung: Das stabilisiert die Scheiben und vermindert das Risiko, dass sie bei Bombendetonationen zu Bruch gehen.
Die Menschen in Bagdad ahnen, dass sie der amerikanischen Überlegenheit wenig entgegensetzen können. Aber sie tun, was sie können: In der Nähe von Brücken wurden Gräben ausgehoben, die mit Öl gefüllt und angezündet werden sollen. So will man lasergesteuerte Bomben in die Irre führen. Die Hoffnung wird sich nicht erfüllen. Die von den USA verwendete Munition wird mit Satellitennavigation ins Ziel gebracht. Die Leuchtfeuer werden wenig nützen.
An den Straßenkreuzungen wurden Sandsäcke aufgeschlichtet. Wozu sie gut sein sollen, ist ungewiss. Vor den 500-kg-Bomben der Amerikaner schützen sie nicht. Diplomaten meinen, dass sie eher bei der Bekämpfung innerer Feinde dienlich sein sollen, für den Fall, dass es zu Aufständen kommt.
Thomas Seifert, Bagdad
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