Forschung: Kluft zwischen EU und USA immer größer
- Österreich bei F&E im unteren Mittelfeld
EU-Forschungskommissar Philippe Busquin hat an die Finanzminister der EU-Staaten appelliert, mehr in Forschung und Wissenschaft zu investieren, um den wachsende Rückstand zu den USA aufzuholen. Busquin forderte, Forschung dürfe nicht als Budgetbelastung sondern als Investition in die europäische Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden!
Klare Worte bei der Vorstellung des 3. EU-Berichts zu Wissenschaft und Technologie in Brüssel. Im Jahr 2000 investierten die USA 121 Milliarden Euro mehr als die EU-Länder in die Forschung.
Europa: Mehr Forscher, weniger Geld
Obwohl Europa wesentlich mehr Forscher heranbildet als die USA und Japan (2,14 Millionen Hochschulabsolventen in Wissenschaft und Technologie im Jahr 2000, verglichen mit 2,07 Millionen in den USA und 1,1 Millionen in Japan) und einige der besten Universitäten der Welt vorweisen kann, hinkt es bei Schlüsselbereichen wie der Biotechnologie weit nach.
US-Firmen meldeten 1999 etwa 52 Prozent aller Patente an, der weltweite Anteil der EU-Staaten lag dagegen nur bei 27,8 Prozent. Die meisten Biotech-Patente meldeten Deutschland und Großbritannien mit mehr als sieben Prozent EU-Anteil an, Österreich bildete mit 0,5 Prozent das Schlusslicht in der EU.
Österreichs Unis hinken nach
Im unteren Mittelfeld lag Österreich auch bei der Rangliste der besten europäischen Universitäten. Unter den 22 besten Universitäten in der EU befindet sich keine aus Österreich, während niederländische und belgische Hochschulen gleich mehrfach darin aufscheinen.
Spitzenuniversitäten sind Cambridge und Oxford. Wien kam bei der Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Zitaten auf Platz neun bzw. Platz zehn. Immerhin sicherte sich Innsbruck Platz zwölf bezüglich seines Einflusses auf Forschung und Entwicklung.
Norden forscht eifriger
Als wahres "Forschungslabor" in Europa treten die skandinavischen Staaten und Irland hervor, während die Mittelmeerländer im Schlussfeld liegen. Besorgnis erregend ist laut Busquin der zunehmende wissenschaftliche Aderlass in Europa. Rund drei Viertel der europäischen Hochschulabsolventen, die ihr Doktorat in den USA gemacht haben, ziehen es vor, in den USA zu bleiben, statt nach Europa zurückzukehren. Diese Tendenz nimmt ständig zu, 1990 entschieden sich nur die Hälfte der Absolventen für einen Daueraufenthalt in den USA.
Der Aufholbedarf Europas gegenüber den USA lässt sich aus dem wachsenden Handelsdefizit bei Hightech-Produkten ablesen. Es nahm von 9 Mrd. Euro 1995 auf 48 Mrd. Euro im Jahr 2000 zu. Die EU-Kommission führt dies teilweise auf mangelnde Finanzierung der Forschung durch die europäischen Unternehmen zurück.
Der deutsch-amerikanische Automobil-Konzern DaimlerChrysler lag an der Spitze der 100 europäischen Unternehmen, die am meisten in F&E investieren, kein österreichisches Unternehmen ist in dieser Liste vertreten. Insgesamt gibt die EU nur 1,94 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für F&E aus, gegenüber den USA mit 2,80 Prozent und Japan mit 2,98 Prozent. Bis zum Jahr 2010 hat sich die EU zum Ziel gesetzt, den Anteil auf drei Prozent des BIP anzuheben.
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