Sonntag, 23. März 2003

Irakisches TV zeigt tote US-Soldaten & Gefangene

  • Pentagon bestätigt Gefangennahme von US-Soldaten
  • CNN und Fox zeigen Bilder der Gefangenen nicht

Das irakische Fernsehen hat am Sonntagnachmittag erste Bilder von getöteten, verletzten sowie fünf gefangen genommenen US-Soldaten gezeigt. Die Bilder wurden von dem arabischen Sender Al Jazeera und von anderen Fernsehstationen übernommen. Insgesamt behauptet der Irak, bei Kämpfen um Nassiriya 25 US-Soldaten getötet zu haben. Die USA räumten ein, dass es bei den Kämpfen um Nassiriya Verluste gegeben haben dürfte.

Zwei der im irakischen Fernsehen gezeigten Gefangenen waren verletzt. Al Jazeera zeigte zudem Interviews mit den Gefangenen auf Englisch. Den Angehörigen der US-Armee, darunter eine Frau, war bei der Befragung die Angst deutlich ins Gesicht geschrieben. Die Kriegsgefangenen gaben an, dass sie zur 507. Instandsetzungskompanie gehörten. In Interviews erklärten zwei von ihnen, sie gehörten einer Wartungseinheit an. Das Pentagon bestätigte, dass einige US-Soldaten in Gefangenschaft geraten seien.

Der US-Fernsehsender CBS zeigte die Bilder während eines Interviews mit Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der zuvor erklärt hatte, bis zu zehn US-Soldaten würden vermisst. Rumsfeld wollte sich nicht zur Echtheit der Aufnahmen äußern. Das sei ganz offensichtlich Teil der irakischen Propaganda. Außerdem verbiete die Genfer Konvention Fotografien von Kriegsgefangenen, kritisierte Rumsfeld.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestätigte, dass das Vorführen von Kriegsgefangenen in den Medien gegen die Genfer Konvention verstoße, erinnerte jedoch auch daran, dass die Alliierten ebenfalls Fotos von irakischen Kriegsgefangenen an die Öffentlichkeit gebracht hätten.

Reaktionen auf Bilder der Gefangenen US-Soldaten
Die Fernsehbilder von gefangenen US-Soldaten haben ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: Während sie bei amerikanischen Truppen in der Region auf Abscheu stießen, wurden sie in Kaffeehäusern in Kairo am Sonntag von vielen Gästen bejubelt. Im US-Hauptquartier auf dem Stützpunkt El Sailiyah in Katar sagte US-Unteroffizier Chris Caulkins: "Ich finde das verabscheuungswürdig." Stabsoffizier John Alleman sagte: "Sie führen sie einfach vor. Das ist unmoralisch. Wir tun das nicht, ihre Leichen vorführen, vor allem nicht im Fernsehen."

Im "Pascha-Klub" im Zentrum von Kairo klebten die Gäste an den Fernsehschirmen und verfolgten gespannt die Suche nach abgeschossenen US-Piloten am Ufer des Tigris in Bagdad. "Einige haben applaudiert, manche haben Freudenschreie ausgestoßen, andere wiederum blieben ruhig", sagte der Kellner Mohamed Bakri. Mohamed Al Ahmed, ein 45-jähriger Arbeitsloser, sagte: "Wir haben uns gefreut, das zu sehen, weil wir Araber sind und Irak unterstützen wollen."

Sein Tischnachbar, der 27-jährige Student Farag Abdel Rahman, betonte, Saddam Hussein habe recht. Ein anderer Gast widersprach: "Das ist ein Diktator", erklärte er. "Was Saddam geschieht, geschieht ihm recht", sagte der pensionierte Polizist Ahmad Abdel Ati. "Er erntet, was er in Kuwait gesät hat."

CNN und Fox zeigen Bilder der Gefangenen nicht
Der US-Sender CNN und der Sender Fox-News haben das irakische Video mit Aufnahmen gefangener US-Soldaten bisher nicht ausgestrahlt. Der Sender habe sich aus ethischen Gründen dazu entschieden, sagte eine CNN-Sprecherin. Ein Sprecher von Fox-News erläuterte, man folge dem Ersuchen des Pentagon, keine Bilder von gefangenen und getöteten Soldaten zu zeigen, bevor die nächsten Angehörigen der Opfer verständigt worden seien.

Beide Sender zeigten aus dem irakischen Video lediglich ein Standbild, auf dem mehrere nicht identifizierbare auf dem Boden liegenden tote Soldaten zu sehen waren. Der Inhalt des Videos wurde in kurzen Worten beschrieben. Die Männer und eine Frau würden in erniedrigender Weise befragt und hätten ihre Namen und ihre Herkunft aus den USA genannt. Einige seien offenbar verletzt.

Auch auf den ständig aktualisierten Internet-Seiten von "Washington Post" und "New York Times" wurden bisher keine Bilder der Gefangenen gezeigt. Das irakische Fernsehen und der arabische Sender Al-Jazeera hatten das Video der gefangenen und getöteten US-Soldaten hingegen ausgestrahlt.

23.3.2003 15:40