Samstag, 22. März 2003

Türkei: USA akzeptieren begrenzten Irak-Einmarsch

  • Keine dauerhafte Besetzun geplant
  • Truppen sollen 19 Kilometer weit eindringen

Die Türkei hat nach Darstellung von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan grünes Licht von den USA für die Stationierung einer begrenzten Zahl türkischer Soldaten im Nordirak erhalten. Außenminister Abdullah Gül habe die Einigung in Gesprächen mit seinem Kollegen Colin Powell erzielt, sagte Erdogan dem US-Magazin "Newsweek". Dies habe die Türkei als Gegenleistung für die Öffnung des türkischen Luftraums für US-Militärjets gefordert.

Die türkischen Streitkräfte wollten Nordirak aber nicht dauerhaft besetzen, sondern entlang der 330 Kilometer langen Grenze höchstens 19 Kilometer weit auf irakisches Gebiet vordringen. Am Samstag hatte Ankara Berichte dementiert, wonach bereits rund tausend Soldaten im Irak einmarschiert seien.

Ankara fürchtet, dass die Kurden im Norden des Irak nach dem Krieg einen eigenen Staat ausrufen und damit unter den Kurden in der Türkei eine Rebellion auslösen könnten. Washington will jedoch neue Kämpfe bei einem türkischen Einmarsch im Irak vermeiden. Sollte die Türkei Kriegspartei werden, will die Bundesregierung die deutschen Soldaten aus den AWACS-Überwachungsflugzeugen in der Region abziehen.

US-Kriegsschiffe in den Golf
Die amerikanischen Kriegsschiffe vor der türkischen Küste sind nach wochenlangem Warten in den Golf beordert worden: Das Pentagon gab endgültig seine Pläne auf, schwer bewaffnete Truppen durch die Türkei in den Nordirak zu entsenden, wie es aus dem Verteidigungsministerium verlautete.

Rund 40 Schiffe mit Militärgerät für die 4. Infanteriedivision sollten am Sonntag Kurs auf den Suezkanal nehmen, sagte ein Regierungsbeamter. Die Division, die auf Ford Hox in Texas auf ihre Stationierung in der Türkei wartete, werde vermutlich nach Kuwait geschickt, hieß es weiter. Es war zunächst nicht klar, ob die gesamte Division mit 17.500 Soldaten Marschbefehl erhalten würde. Die letzten Schiffe sollen am 10. April in Kuwait eintreffen.

Hunderte Soldaten waren bereits in der Türkei, um Stützpunkte für das Invasionsheer vorzubereiten. Aber das Parlament in Ankara verweigerte die Stationierung. Anstelle der 4. Infanteriedivision sind nun Spezialkräfte im Nordirak.

22.3.2003 18:45