Samstag, 22. März 2003

Britischer TV-Journalist offenbar von Alliierten getötet

  • Zeuge: Iraker wollten sich ergeben und wurden alle erschossen

Der britische Fernsehreporter Terry Lloyd (50) ist nach Angaben des britischen Senders ITN wahrscheinlich von alliierten Truppen erschossen worden. Der britische Journalistenverband forderte am Sonntagabend eine sofortige Untersuchung der Todesumstände. Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, er könne derzeit nicht bestätigen, dass amerikanische oder britische Verbände für den Tod von Lloyd verantwortlich seien.

Premierminister Tony Blair teilte mit: "Alle sind sehr traurig über diese Nachricht." Über das Schicksal von Lloyds Kameramann, der Belgier Fred Nerac, und seinem Übersetzer, Hussein Othman aus Libanon, gibt es keine Informationen.

Die Drei waren am Samstag auf dem Weg nach Basra zusammen mit dem zweiten Kameramann Daniel Demoustier beschossen worden. Demoustier wurde dabei verletzt, konnte sich jedoch retten. Nach seinen Angaben wurden sie von britischen und amerikanischen Soldaten unter Beschuss genommen, weil hinter oder neben ihren beiden Jeeps auch noch Wagen mit irakischen Soldaten fuhren. "Ich bin so wütend, dass wir von den Alliierten beschossen worden sind", sagte er. "Die Iraker müssen ihr wirkliches Ziel gewesen sein, aber ich bin mir sicher, dass die sich ergeben wollten." Auch die Iraker seien alle erschossen worden.

Der mehrfach ausgezeichnete Journalist Lloyd war einer der namhaftesten britischen Kriegsreporter. 1988 war er einer der ersten Journalisten, die aus der irakischen Stadt Halabja berichteten, nachdem Präsident Saddam Hussein dort 5.000 Kurden hatte mit Giftgas töten lassen. Lloyd berichtete auch aus Bosnien und dem Kosovo.

Mindestens zwei Journalisten tot
Seit Beginn des Krieges gegen den Irak sind mindestens zwei Journalisten - ein Russe, ein Australier - getötet worden. Bei Kämpfen um die südirakische Stadt Basra ist nach Informationen der Agentur Itar-Tass ein russischer Journalist getötet worden. Unter Berufung auf "zuverlässige Quellen" berichtete Itar-Tass, der Mann sei am Vortag bei einem Bombenangriff verletzt worden und später gestorben. Bei ihm seien eine kuwaitische Akkreditierung sowie ein russischer Pass gefunden worden.

Nahe der Grenze zu Iran im Nordirak wurde am Samstag der 39-jähriger Paul Moran australischer Kameramann getötet. Er soll bei einem mutmaßlichen Selbstmordanschlag ums Leben gekommen sein. Neun weitere Menschen wurden nach Medienberichten verletzt, darunter ein ebenfalls für den australischen Sender ABC tätiger Kollege, als sich ein Taxifahrer an einem Kontrollposten in die Luft sprengte. Kurden machten Extremisten mit Verbindungen zur Terrororganisation El Kaida für den Anschlag verantwortlich, hieß es in Medienberichten weiter.

22.3.2003 16:40