Samstag, 22. März 2003

Papst verurteilt Krieg als Bedrohung für die Menschheit

  • 1. Äußerung seit Beginn des amerikanisch-britischen Überfalls
  • Mehrere Kirchen besorgt über Bushs Missbrauch der Religion

Papst Johannes Paul II. hat am Samstag den von den USA geführten Krieg gegen den Irak als Bedrohung für die Menschheit verurteilt und zum Frieden aufgerufen. Mehrere Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen sind besorgt über Bushs Missbrauch religiöser Sprache - er beruft sich auf einen göttlichen Auftrag, seine Feinde zu entwaffnen.

"Wenn der Krieg, wie in diesen Tag im Irak, das Schicksal der Menschheit bedroht, ist es umso dringender, mit starker und entschlossener Stimme zu verkünden, dass nur der Frieden der Weg zum Aufbau einer gerechteren und vereinten Gesellschaft sein kann". Das Oberhaupt der katholischen Kirche erklärte klar: "Gewalt und Waffen können die Probleme der Menschen niemals lösen."

Hass und Feindschaft
Der Papst äußerte sich im Fernsehsender "Telepace" erstmals seit Beginn des amerikanisch-britischen Überfalls öffentlich zu der Situation im Irak. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Erzbischof Renato Martino, hatte erklärt, die USA hätten einen "schweren Fehler" begangen. Alle Menschen würden die Konsequenzen zu spüren bekommen. Es drohe ein Flächenbrand, der sich im gesamten Nahen Osten ausbreiten und Hass und Feindschaft gegen die westliche Kultur säen könne.

"Imperiale Demokratie"
Kurienkardinal Roberto Tucci hatte am Donnerstag gegenüber Radio Vatikan betont, der Irak-Krieg sei "jenseits aller Legalität". Die "imperiale Demokratie" der USA maße sich auf Grund ihrer militärischen und ökonomischen Übermacht an, "überall Schiedsrichter" zu sein. Der Angriff auf den Irak sei "eine Niederlage für die Vernunft und das Evangelium".

Bush in göttlicher Mission
Der Weltkirchenrat, dem 342 protestantische, orthodoxe, anglikanische und altkatholische Kirchen aus 120 Ländern angehören, hat den "Missbrauch religiöser Sprache" bei US-Präsident George W. Bush beklagt. Es gebe eine wachsende Tendenz des US-Präsidenten, "sich auf eine religiöse, ja sogar göttliche Legitimation für seine Absicht zu berufen, den Irak mit Gewalt zu entwaffnen", sagte Generalsekretär Pastor Konrad Raiser.

Die christliche Antwort auf einen Krieg, der die legale Ordnung zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens zerstöre, müsse sein, den Missbrauch religiöser Begriffe kenntlich zu machen.

An dem ökumenischen Gottesdienst nahmen unter anderen der vatikanische Beobachter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Diarmuid Martin, sowie der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (CEC/KEK) und orthodoxe Metropolit der Schweiz, Jeremie (Caligiorgis), teil. Generalsekretär Raiser betonte, die gemeinsame Verurteilung des Krieges durch die Kirchen und Religionen sei ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, in der viele Menschen in Wut und Angst verharrten. Erstmals hätten die Kirchen "den Auftrag Gottes über ihre jeweiligen politischen Loyalitäten gestellt". Dies sei ein Grund zu feiern.

Auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, hatte erklärt, es gebe immer Lösungen, doch der Krieg gehöre mit Sicherheit nicht dazu. Die zerstörte Wirtschaft und Infrastruktur im Irak könnten nach dem Ende des Krieges wieder aufgebaut werden, die zerstörten Menschenleben seien aber unersetzlich.

22.3.2003 13:41