Freitag, 21. März 2003

25.000 Menschen beim Friedenssternmarsch in Wien

  • Hunderttausende protestierten weltweit gegen den Irak-Krieg

Auf aller Welt protestierten Hunderttausende gegen den Krieg. Auch in Wien gingen 25.000 Menschen am Samstag auf die Straße. Die Teilnehmer machten durch Sprechchöre, die sich vorwiegend gegen die USA richteten, und fantasievollen Kostümen ihrem Ärger über die Auseinandersetzung Luft. Unter den unterstützenden Organisationen befinden sich der ÖGB, Teilorganisationen von SPÖ und Grünen, die ÖH, Katholische Organisationen, die KPÖ, Greenpeace und ATTAC Österreich. In der Michaelerkirche fand ein Gottesdienst statt.

Die Demonstranten hatten sich beim Südbahnhof und am Westbahnhof gesammelt. Der Zug vom Südbahnhof marschierte durch den 3. Bezirk über den Rennweg bis in die Nähe der britischen Botschaft. Das Botschaftsviertel in Wien-Landstraße selbst war von den Polizeikräften abgesperrt worden. An der Ecke Metternichgasse/Rennweg setzten die Demonstranten eine Aktion: Mehrere Kundgebungsteilnehmer legten sich auf die Straße und ließen die Konturen ihrer Körper von anderen mit einer Kreide nachzeichnen. Es handelte sich dabei um ein "die in".

Auf dem weiteren Weg in die Innenstadt zogen die Demonstranten auch an der türkischen Botschaft vorbei. In der Argentinier Straße vor der Vertretung Italiens blieben die Kundgebungsteilnehmer stehen und protestieren lautstark gegen die Unterstützung des Landes für den Krieg der USA gegen Irak.

Protestkundgebung vor US-Botschaft in Wien
Auch nahe der US-Botschaft in Wien-Alsergrund wurde im Zuge der Proteste gegen den Irak-Krieg ein "die in" veranstaltet. Dabei ließen sich Teilnehmer jenes Zuges, der sich am Westbahnhof gesammelt hat, unter Schussgeräuschen vom Tonband wie getroffen zu Boden fallen. Anschließend wurden die Umrissen der Hingefallenen wieder mit Kreide auf den Boden gezeichnet. Das Gebiet um die US-Vertretung in der Boltzmanngasse war weiträumig abgesperrt.

Die Sprechchöre und Transparente richteten sich vor allem gegen die USA. "Internationale Völkermordzentrale USA" war ebenso zu hören wie "Bush und Blair - stürzt Euch ins Meer". Eine Gruppe von Demonstranten hatte selbst gemachte Totenglocken in der Größe von Kirchenglocken mit. Auch USA-Fahnen wurden verbrannt.

Anlässlich des Irak-Kriegs wurde am Samstagnachmittag in der Michaelerkirche in der Wiener Innenstadt ein Friedensgottesdienst abgehalten. Caritas-Präsident Franz Küberl rief dabei zu humanitärer Hilfe für die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet auf und verurteilte den Militärschlag der USA. Auch Vertreter der österreichischen Innenpolitik fanden sich zu der Feier ein. So nahmen etwa Grünen-Chef Alexander van der Bellen und die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, an dem Gottesdienst teil.

Zur Abschlusskundgebung trafen die Messbesucher mit den anderen Demonstranten am Ballhausplatz zusammen. Dabei traten Frauen aus akuten Krisen- und Kriegsregionen wie die Autorin Rosina-Fawzia Al Rawi oder die palästinensische Schriftstellerin Viola Raheb auf. Der Schauspieler Otto Tausig verlas eine Botschaft des Schriftstellers Robert Menasse.

Weltweite Proteste
Weltweit wird an diesem Wochenende gegen den Irak-Krieg protestiert. Mehrere hunderttausend Menschen wurden am Samstag zu Demonstrationen gegen den Irakkrieg in London zahlreichen weiteren Städten Großbritanniens erwartet. 3500 Polizeibeamte sollen in der Hauptstadt für einen friedlichen Verlauf des Protests sorgen. Am Mittag formierten sich Demonstrationszüge an verschiedenen Plätzen der britischen Metropole. In Berlin versammelten sich mehrere Tausend Kriegsgegner, in Frankfurt gab es Kurden-Proteste. In Wien war am Samstag ein "Sternmarsch" geplant.

Die Organisatoren in London rechneten mit bis zu 500.000 Menschen, die Polizei ging von etwa 100 000 aus. An der zentralen Kundgebung im Londoner Hyde Park wollten auch Parlamentsabgeordnete und Gewerkschaftsführer teilnehmen. Protestaktionen sollten zudem vor dem Amtssitz von Premierminister Tony Blair in der Downing Street stattfinden sowie dem britischen Luftwaffenstützpunkt Fairford in Gloucestershire. Von dort aus waren tags zuvor acht B-52-Bomber der US-Streitkräfte zu ihrem Einsatz im Irak gestartet. Sie kehrten in der Nacht nach Fairford zurück.

Beten für den Frieden
Gleichzeitig sollte in Kirchen im ganzen Königreich für den Frieden gebetet werden. Demonstrationen wurden auch für die Städte Glasgow, Edinburgh, Aberdeen und Inverness angekündigt. Im Februar hatten mehr als eine Million Menschen in London gegen einen möglichen Irak-Krieg demonstriert. Es war die größte politische Demonstration der britischen Geschichte.

In zahlreichen deutschen Städten haben am Samstag neue Protestveranstaltungen gegen den Irak-Krieg begonnen. Dabei zogen unter anderem in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, München und Frankfurt am Main einige tausend Menschen auf die Straßen, um ihre Empörung über die US-Angriffe kund zu tun. Den stärksten Zulauf verzeichnete eine Demonstration einer Föderation kurdischer Vereine anlässlich des kurdischen Neujahrsfests in Frankfurt. Laut Polizei versammelten sich dort bis zum Mittag etwa 10.000 Menschen, bei weiter steigendem Zulauf. Aus Angst vor Krawallen findet diese Demonstration unter massiver Polizeikontrolle statt.

21.3.2003 22:13