Freitag, 21. März 2003

Schlag gegen Islamistengruppe in Berlin

  • Anschläge in Deutschland geplant?

Nach einer Razzia gegen mutmaßliche islamistische Terroristen in Berlin hat die deutsche Bundesanwaltschaft sechs Personen vorläufig festgenommen. Ein Verdächtiger sollte Freitag Abend dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof (BGH) vorgeführt werden, der über einen Haftbefehl entscheiden musste. Die anderen fünf wurden bis zum Nachmittag wieder freigelassen, bestätigte ein Sprecher der Behörde.

Generalbundesanwalt Kay Nehm hatte am Donnerstag sechs Gebäude in Berlin durchsuchen lassen. Die Gruppe steht im Verdacht, Anschläge in Deutschland geplant zu haben. Es lägen Hinweise vor, dass die Verdächtigen den Beginn des Irak-Krieges zum Anlass für einen Anschlag nehmen wollte, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Beamte des Bundeskriminalamtes und Berliner Polizisten durchsuchten unter anderem die Räume der Al-Nur-Moschee in Berlin und die Büros des Vereins "Die islamische Gemeinschaft Berlin e.V.".

Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft stehen die Mitglieder der Gruppe im Verdacht, "im Auftrag des internationalen Netzwerks gewaltbereiter Islamisten in Berlin eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben". Ihr Ziel sei es, arabische Studenten anzuwerben, sie zu einem Verband unter ihrer Führung zusammenzuschließen und in naher Zukunft Sprengstoffanschläge in Deutschland zu verüben. Zu ihrer Identität und Herkunft machte die Behörde keine Angaben. Mit der vom Ermittlungsrichter des BGH angeordneten Aktion sollten "Tatmittel zur Begehung eines Anschlags" aufgefunden werden.

Die Bundesanwaltschaft war bereits mehrfach mit Razzien gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen, zuletzt bei einer groß angelegten Aktion in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz Mitte Februar. Damals kamen die vier Verdächtigen wieder auf freien Fuß.

In mehreren Botschaften in Berlin sind nach Angaben der Polizei am Freitag "verdächtige Briefe" eingegangen. Wie eine Sprecherin mitteilte, erhielt die australische Botschaft gegen 10.30 Uhr als erste Einrichtung einen Umschlag mit granulatartiger Füllung. Gegen Mittag trafen dann auch in der kanadischen, polnischen, israelischen, skandinavischen, britischen, spanischen und italienischen Botschaft ähnliche Briefe ein. Die körnige Substanz in den Umschlägen werde vom Robert-Koch-Institut untersucht.

21.3.2003 19:23