Freitag, 21. März 2003

Statt Unfallopfer jetzt Kriegsverletzte

  • Ärzte im El-Kindhi-Krankenhaus haben alle Hände voll zu tun

Eigentlich ist der kleine, flache Bau des El-Kindhi-Krankenhauses in Bagdad die Notaufnahme für Unfallopfer. Nach den ersten Bomben auf das Zentrum von Bagdad werden in der Station mit gerade mal zehn Pritschen nun aber Kriegsverletzte behandelt. Etwa 100 Vertreter internationaler Medien konnten sich dort am Freitag im Rahmen einer vom irakischen Informationsministerium organisierten Tour umsehen.

Als amerikanische Marschflugkörper am Donnerstagabend in Regierungsgebäude am Westufer des Tigris einschlugen, wurden nach offiziellen irakischen Angaben 30 Menschen verletzt. Er habe "sechs oder sieben Verletzte gesehen", berichtet der 27-jährige Notarzt Dr. Mohammed Saleh. "Aber ich war nicht die ganze Zeit da, es können auch mehr gewesen sein."

Dr. Saleh sagt, er habe in den letzten Stunden die in solchen Situationen typischen Verletzungen versorgt: durchtrennte Muskeln, schwere Blutungen, Knochenbrüche. Eine Blutlache auf dem Steinboden, für Fotografen und Kameramänner ein dankbares Motiv, stammte nach Auskunft des Arztes von einem verwundeten Soldaten. "Er wurde vor anderthalb Stunden zu uns gebracht. "Jetzt wird er gerade operiert", sagt Dr. Saleh. Dafür, warum der Mann erst zwölf Stunden nach seiner Verletzung in seine Station kam, hatte der junge Arzt keine Erklärung. "Ehrlich gesagt, ich war völlig damit beschäftigt, dem Mann das Leben zu retten, da habe ich mir keine anderen Fragen gestellt."

Die anderen fünf Männer in dem Raum waren offensichtlich Zivilisten, die Opfer der Bombardierung in Bagdads Zentrum waren. Sie waren leichter als der Soldat verletzt. Ein etwa 25-jähriger Mann, der Bombensplitter an der Hüfte abbekommen hatte, rollte vorsichtig den Verband von der frischen Wunde und hielt sie stolz in die Fernseh-Kameras.

21.3.2003 13:40