Donnerstag, 20. März 2003

Wieder Explosionen in Kuwait-Stadt

Kurz nach Beginn eines neuerlichen Luftalarms in Kuwait-Stadt sind drei Explosionen zu hören gewesen. Das berichtete ein AFP-Korrespondent vor Ort. In der Region El Jahra nördlich von Kuwait-Stadt soll eine irakische Rakete eingeschlagen sein. Das meldete der in Dubai ansässige arabische TV-Sender El Arabija unter Berufung auf kuwaitische Regierungsbeamte. Informationen über Schäden und Opfer lagen zunächst nicht vor. Patriot-Abwehrraketen haben im Norden Kuwaits erneut eine irakische Scud-Rakete abgefangen.

Die Rakete sei zwei Kilometer von einem Stützpunkt tschechischer Soldaten entfernt zerstört worden, berichtete der tschechische General Dusan Lupuljev in einem Telefonat von Kuwait aus. Die tschechischen Soldaten untersuchten die Trümmer auf mögliche chemische Kampfstoffe.

Die tschechische Armee hat in Kuwait ein auf das Aufspüren chemischer, biologischer und atomarer Waffen spezialisiertes Bataillon stationiert, ist aber nicht an Militäreinsätzen gegen den Irak beteiligt. Die rund 430 Soldaten können Rettungseinsätze unternehmen, sollte der Irak Massenvernichtungswaffen einsetzen.

Zuvor hatte ein AFP-Korrespondent aus Kuwait-Stadt von drei Explosionen berichtet, nachdem erneut Luftalarm gegeben worden war. Am Donnerstag hatte die irakische Armee zehn Raketen auf das südliche Nachbarland abgefeuert. Drei von ihnen wurden nach offiziellen kuwaitischen Angaben von amerikanischen Patriot-Luftabwehrraketen abgefangen, zwei fielen ins Meer.

Kuwait in Angst
Mit mehreren Raketen-Salven gegen Kuwait hat der Irak im Nachbarland panische Angst vor einem Chemiewaffen-Angriff und eine Reihe von Noterlassen ausgelöst. In einer ersten Angriffswelle nur Stunden nach den US-Luftangriffen auf Bagdad feuerte die irakische Armee am Donnerstagmorgen sechs Geschosse auf das Emirat ab. Die kuwaitische Hauptstadt wurde von zwei Explosionen erschüttert. Am Nachmittag folgte eine zweite Salve. Etwa neun Raketen schlugen in der Nähe von US-Einheiten ein, die an der irakisch-kuwaitischen Grenze stationiert waren, wie ein CNN-Reporter berichtete. Bei den Angriffen wurde nach offiziellen Angaben niemand verletzt.

Die beiden ersten Raketen schlugen gegen 8.30 Uhr (MEZ) in der Region Mutlaa ein. Nach Angaben des kuwaitischen Verteidigungsministeriums waren die Geschosse jeweils drei Tonnen schwer und mit konventionellen Sprengköpfen bestückt. Die Schockwelle war noch in der dutzende Kilometer entfernten Hauptstadt zu spüren. Unter den Einwohnern kam es zu panikartigen Szenen. Zahlreiche Menschen legten Gasmasken an. Viele Kuwaiter versuchten aus Angst vor weiteren Angriffen, das Land zu verlassen. Das Fernsehen unterbrach sein Programm und rief die Menschen auf, angesichts der "sehr gefährlichen" Situation zu Hause zu bleiben. Soldaten patrouillierten auf den Straßen.

Chemie-Alarm nördlich von Kuwait-Stadt
Auf einem Militärposten rund 30 Kilometer nördlich von Kuwait-Stadt wurde Chemie-Alarm ausgelöst. Soldaten der kuwaitischen und der US-Armee legten hektisch Gasmasken sowie Schutzanzüge gegen atomare, chemische oder biologische Waffen an.

Zwei Scuds von Patriots abgefangen
Zwei der am Morgen abgefeuerten Geschosse seien Scud-Raketen gewesen, sagte ein Sprecher des kuwaitischen Verteidigungsministeriums. Zwei Raketen seien von US-Patriotraketen abgefangen werden. Nach US-Angaben handelte es sich dabei um Geschosse vom Typ Ababil-100, deren Ziel die Hauptstadt gewesen sei. Zwei Raketen gingen in der Wüste im Norden des Landes nieder, wo sich mindestens 180.000 britische und US-Soldaten für einen Einmarsch im Irak bereithalten.

13 Minuten Luftalarm in Kuwait
Bereits nach der ersten Angriffswelle waren die Straßen in der Hauptstadt leer. In den wenigen Geschäften, die noch geöffnet hatten, versuchten die Anwohner noch Gasmasken und Schutzvorkehrungen für ihre Wohnungen zu bekommen. Am frühen Abend heulten erneut 13 Minuten lang die Sirenen. Das kuwaitische Fernsehen unterbrach seine Sendungen und forderte die Bevölkerung zu Schutzmaßnahmen auf.

20.3.2003 10:10