Donnerstag, 20. März 2003

Die wichtigsten irakischen Oppositions-Gruppen

  • Von schiitischen Islamisten bis zu Kurdenparteien
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Die Entmachtung Saddam Husseins ist eines der Hauptziele des Krieges gegen den Irak. Doch wer wird nach seinem Sturz die Macht im Zweistromland übernehmen? Von den über 70 Gruppierungen der irakischen Exil-Opposition sind die folgenden von Bedeutung:

IRAKISCHER NATIONALKONGRESS (INC):
Die Organisation mit Sitz in London wird von Ahmed Jalabi geleitet; der wohlhabende Ex-Bankier, der schon seit 1958 im Exil lebt, hat gute Verbindungen zum US-Verteidigungsministerium. Ihm werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Seine Kritiker sehen ihn als Handlanger der USA, da seine Gruppe seit Jahren finanzielle Unterstützung aus Washington erhält. Auch soll er mit US-amerikanischen Ölfirmen angeblich bereits über Geschäfte nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein verhandelt haben. Ein jordanisches Gericht verurteilte Jalabi 1992 wegen Betrugs zu 22 Jahren Haft. Derzeit führt er die Firma Cardtech, die Software an Banken vertreibt. Zwei seiner Brüder wurden vor zwei Jahren in der Schweiz wegen Bilanzfälschung verurteilt. Jalabi hatte seine geschäftlichen Probleme immer wieder als "Komplott" des irakischen Geheimdienstes zu erklären versucht.

OBERSTER RAT DER ISLAMISCHEN REVOLUTION IM IRAK:
Diese wichtigste schiitische Oppositionsgruppe wird von der iranischen Regierung unterstützt und hat ihre Basis in den Südprovinzen. Mehrere ihre prominenten Mitglieder im Irak, darunter auch Geistliche, fielen in den vergangenen Jahren Attentaten zum Opfer. Geleitet wird die Organisation von Ayatollah Mohammed Bakr al Hakim, der im iranischen Exil lebt. Würden im Irak wahrhaft demokratische Wahlen stattfinden, könnte diese Partei mit den meisten Stimmen rechnen.

IRAKISCHE NATIONALE EINTRACHT:
Diese Partei mit Sitz in London wurde von dem Exilpolitiker Iyad Alawi gegründet und hat viele ehemalige Mitglieder des Regimes von Saddam Hussein angezogen. Sie soll gute Geheimkontakte zu Kreisen im irakischen Militär unterhalten.

KONSTITUTIONELLE BEWEGUNG:
Monarchistische Partei unter Führung des Oberhaupts der 1958 entthronten Königsfamilie, Prinz Sharif Ali bin Hussein. Er war zwei Jahre alt, als sein Cousin, König Faisal II., 1958 ermordet wurde. Die irakische Königsfamilie ist ein Zweig der in Jordanien regierenden Haschemiten-Dynastie.

PATRIOTISCHE UNION KURDISTANS (PUK) und
DEMOKRATISCHE PARTEI KURDISTANS (KDP):

Diese beiden miteinander verfeindeten Kurdenparteien unter Führung von Jalal Talabani beziehungsweise Massud Barzani teilen sich die Macht im Nordirak, der seit 1991 der Kontrolle Bagdads entzogen ist. Die KDP ist mehr ein Stammesverband unter Führung der Barzani-Sippe als eine politische Partei. Die PUK rekrutiert ihre Anhänger vor allem in den gebildeten städtischen Mittelschichten.

20.3.2003 07:57