"Menschliche Schutzschilde" warten in Bagdad auf Krieg
- Wut und Verzeiflung bei den etwa 100 Aktivisten
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Nach 10 Stunden: "Weg frei" für Krieg
Bei den Friedensaktivisten der Mission "Human Shield" in Bagdad herrschen Wut und Verzweiflung. Etwa 100 Menschen aus fast allen Teilen der Welt sind der harte Kern einer Mission, die sich als "menschliche Schutzschilde" einem amerikanisch-britischen Angriff auf die Infrastruktur des Irak entgegenstellen will. Wochen des Hoffens, des Bangens und des Protestes sind vorbei. Am Mittwoch schien klar: Der Nervenkrieg um den Frieden wird wohl mit der Bombardierung enden.
Usma Bashir, eine exotisch gekleidete junge Frau aus London, will trotzdem nicht weichen. "Ich beabsichtige, in meinem Kraftwerk zu bleiben, bis es getroffen wird. Dann ist mein Job getan", sagt sie, nachdem zu einer letzten Pressekonferenz im Hotel "Palestine" in Bagdad eingeladen worden war. Die anderen Friedenskämpfer klatschen. Das Wir-Gefühl in der Gruppe funktioniert, und gegenseitig Mut machen schadet auch nichts.
Dass sich ihr Protest im Falle eines Angriffs als erfolglos herausstellen könnte, weisen die "menschlichen Schutzschilde" von sich. Sie seien Teil einer weltweiten Bewegung gegen den Krieg, die die übergroße Mehrheit der Bevölkerung hinter sich habe. Ein kleine Gruppe mächtiger Männer setzte sich aber darüber hinweg. "Ich bin traurig und ärgerlich, dass zwei Personen das machen können", sagte eine Rednerin, die damit den US-Präsidenten George Bush und den britischen Premier Tony Blair verurteilt.
Neun Liegenschaften "geschützt"
Neun Liegenschaften in der Region der irakischen Hauptstadt sind mit den selbst ernannten Schutzschilden besetzt. Unter den Objekten sind drei Wasserwerke, drei Kraftwerke und eine große Ölraffinerie. Militärische Ziele im engeren Sinne sind nicht darunter. Mehrere Aktivisten waren aber unter Protest abgereist. Sie erklärten, die Regierung in Bagdad habe sie für den Schutz von Infrastruktur der irakischen Streitkräfte missbrauchen wollen.
Mit dem Näherrücken des Krieges und dem Aufmarsch der Armee in die Gefechtspositionen wird die Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Zielen immer schwieriger. Wasserwerke und Lebensmittellager gelten aber als zweifelsfrei zivile Anlagen. Die Kraftwerke sind zudem nötig, um das Wasser durch die Leitungen zu pumpen und die Versorgung von fünf Millionen Menschen in Bagdad aufrecht zu erhalten. Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erwartet aber nicht, dass die Angreifer darauf Rücksicht nehmen werden.
So leerten sich in Bagdad am Mittwoch die Geschäfte. Was nicht ausverkauft ist, räumen Geschäftsleute zurück ins Lager. Polizei und Militär stehen auf Posten. Die Beamten in den Behörden reagieren zunehmend nervöser. Währendessen gibt es keine Anzeichen dafür, dass der irakische Führer Saddam Hussein sich noch dem Ultimatum Washingtons zur Ausreise aus seinem Land beugen könnte.
"Es gibt nur noch uns"
Die "Schutzschilde" wollen wieder auf ihre Posten. "Es gibt keine Debatte mehr, keine Talk-Shows. Jetzt gibt es nur noch uns", sagt ein Franzose. Links hängt eine irakische Staatsflagge, rechts eine blaue Fahne mit weißer Friedenstaube. Ein Amerikaner gratuliert seinen Mitkämpfern, es sei eine wunderbare Arbeit geleistet worden. Ein Mann, der sich mit dem Namen Klaus und als Christ aus Deutschland vorstellt, sagt: "Ich glaube an Wunder. Jetzt kann uns nur noch ein Wunder helfen." Er wollte aber noch vor einem Angriff abreisen.
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