Mittwoch, 19. März 2003

Irak & USA: Von einstigen Verbündeten zu Todfeinden

  • USA soll chemische und biologische Waffen geliefert haben
  • PLUS: Ihre Meinung: Sind Sie für den Krieg oder dagegen?

Inzwischen stehen sich die USA und der Irak bereits zum zweiten Mal als Kriegsfeinde gegenüber. Vor zwei Jahrzehnten war das noch ganz anders: Nach dem Motto "Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde" wurde der Irak von US-Präsident Ronald Reagan Anfang der 1980-er Jahre noch als wichtiger Verbündeter gegen den von konservativ-islamischen Geistlichen beherrschten Iran gesehen.

Damals betrachtete Washington eine regionale Vorherrschaft Teherans als weitaus gefährlicher als die repressive Führungsclique in Bagdad. Und so konnte der irakische Machthaber Saddam Hussein im Krieg gegen das Nachbarland von 1980 bis 1988 auf militärische Unterstützung seitens der Vereinigten Staaten hoffen.

Rumsfeld als Verbindungsmann
Als Verbindungsmann zwischen Washington und Bagdad fungierte niemand geringeres als der heutige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Ihn sandte Reagan zu mehreren diplomatischen Missionen in die Region - am 20. Dezember 1983 reiste Rumsfeld auch nach Bagdad. Über das Treffen mit Saddam Hussein sind keine Einzelheiten bekannt, ein offizielles Foto zeigt beide Männer jedoch beim Händedruck. Die Kooperation zahlte sich für den Irak aus: Laut der Tageszeitung "Washington Post" lieferten die USA nicht nur Geheimdienstinformationen, sondern über eine chilenische Firma auch Streubomben.

USA wusste von Massenvernichtungswaffen
Dokumente des Washingtoner Außenministeriums deuten darauf hin, dass die US-Regierung bereits zu diesem Zeitpunkt wusste, dass der Irak im Krieg gegen den Iran entgegen internationalen Konventionen Massenvernichtungswaffen einsetzte. "Es ist jedoch sehr wichtig, dass wir uns sehr bald an den Irak wenden, um die Glaubwürdigkeit der US-Politik in der Frage chemischer Waffen zu erhalten", heißt es in einem kürzlich im Internet veröffentlichten Schriftstück von November 1983. Der Irak müsse dazu gebracht werden, den "nahezu täglichen Einsatz" von Chemiewaffen einzustellen.

USA lieferte B- & C-Waffen an Irak
Laut "Washington Post" ging die US-Regierung insgeheim jedoch den entgegengesetzten Weg: Sie soll demnach sogar tödliche Gifte und biologische Waffen wie Milzbrand-Erreger nach Bagdad geliefert haben. Rumsfeld bestritt diese Vorwürfe vor kurzem: "Ich habe sicherlich nichts mit der Lieferung von chemischen oder biologischen oder irgendwelchen Waffen dieser Art zu tun gehabt." Sein Berater Richard Perle machte die wahren Schuldigen woanders aus: Rumsfelds "sechs Stunden in Bagdad" seien kaum gleichzusetzen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac, der einen Nuklearreaktor nach Irak geliefert habe. Nicht die USA hätten Saddam Hussein bewaffnet, betonte Perle: "Frankreich und Russland haben das getan."

19.3.2003 10:07