Donnerstag, 20. März 2003

Afghanistan: Raketen auf US-Stützpunkte abgefeuert

  • US-Großoffensive gegen El Kaida & Taliban
  • Mullah Omar ruft Iraker zu Heiligem Krieg auf

In Afghanistan sind nach einem Bericht des staatlichen pakistanischen Fernsehens drei US-Militärstützpunkte angegriffen worden. Wie der Sender PTV am Freitag unter Berufung auf einen Sprecher des US-Luftwaffenstützpunktes in Bagram meldete, wurden in den vergangenen 24 Stunden insgesamt 12 Raketen auf die Basen im Südosten und im Zentrum des Landes gefeuert. US-Soldaten hätten das Feuer erwidert und die mutmaßlichen Stellungen der Angreifer vom Flugzeug aus bombardiert. Angaben über mögliche Opfer oder Sachschaden machte der Sender nicht.

Die USA haben im Südosten Afghanistans parallel zum Beginn des Irak-Krieges ihre größte Suchaktion nach versprengten Untergrundkämpfern seit einem Jahr gestartet. An den Razzien in mehreren Dörfern der Gebirgsregion waren nach Militärangaben rund 800 Soldaten der 82. Luftlandedivision sowie kleinere Bodentruppen beteiligt. Es handelt sich um die größte Offensive gegen das Terrornetzwerk El Kaida und die radikalislamischen Taliban seit der "Operation Anaconda" vor einem Jahr.

Heiliger Krieg gegen USA
Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar soll die Iraker unterdessen zum Heiligen Krieg gegen die USA aufgerufen haben. Die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF verstärkte ihre Patrouillen in der Hauptstadt Kabul.

Einsatz hat mit Luftangriff begonnen
Die in Afghanistan stationierten US-Streitkräfte erklärten, der Einsatz habe in der Früh mit einem Luftangriff in der Nähe von Kandahar begonnen. Anlass sei eine Vielzahl von Geheimdienstberichten über verdächtige Aktivitäten rund um die ehemalige Taliban-Hochburg Kandahar, sagte Oberst Roger King. Es sei reiner Zufall, dass der Einsatz mit dem Beginn des Irak-Kriegs zusammenfalle. Aus Militärkreisen in Washington verlautete, die Geheimdienste hätten Funksprüche aus Höhlen in der Nähe der betroffenen Dörfer abgefangen.

Suche nach versprengten Taliban-Kämpfern
Die Suchaktion konzentrierte sich auf den Bezirk Maruf, wo der Stamm von Mullah Omar lebt, wie ein Sprecher der Provinzregierung in Kandahar erklärte. Die US-Truppen seien auf der Suche nach versprengten Taliban-Kämpfern, sagte der Sprecher. Nach Angaben eines US-Militärsprechers ist die Aktion auf zwei bis drei Tage angelegt. Bei einem ähnlichen Einsatz in der benachbarten Provinz Helmand vor einem Monat waren mehrere Verdächtige getötet und über 30 gefangen genommen worden.

Weitere Razzien fanden im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet statt. Nach US-Angaben gehen einige Verhaftungen der vergangenen Wochen auf Hinweise des im März verhafteten Khalid Sheikh Mohammed zurück. Das hochrangige El-Kaida-Mitglied gilt als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001.

Drei Tote bei Taliban-Angriff
Wie am Donnerstag außerdem bekannt wurde, sind drei afghanische Regierungssoldaten bei einem Angriff von Taliban-Kämpfern getötet worden. Fünf der Angreifer seien verhaftet worden, teilte am Donnerstag der Sicherheitschef der südafghanischen Stadt Spinpoldak, Abdul Razzak Panjiri, mit. Der Angriff trug sich am Mittwoch in der Nähe der Grenze zu Pakistan zu.

Offenbar als Reaktion auf die US-Angriffe gegen Bagdad wurde am Donnerstag auf einer islamistischen Internet-Seite eine Erklärung veröffentlicht, die dem obersten Chef der afghanischen Taliban zugeschrieben wird. In der Botschaft, deren Authentizität nicht zu überprüfen ist, appelliert Mullah Omar an die Iraker, den Dschihad nicht zur Verteidigung der in Bagdad herrschenden Baath-Partei oder des Regimes von Saddam Hussein zu führen, sondern "um das Wort Gottes auf der Erde zu verbreiten".

ISAF verstärkt Präsenz in Kabul
Die unter deutscher und niederländischer Führung stehende ISAF verstärkte ihre Präsenz in der afghanischen Hauptstadt, um mögliche Reaktion als Reaktion auf den Irak-Krieg zu verhindern. Die ISAF werde die Sicherheit in Kabul aufrechterhalten, sagte ihr Sprecher Thomas Löbbering am Donnerstag. Die Mitarbeiter der UNO in Afghanistan erhielten unterdessen die Weisung, aus Sicherheitsgründen für 48 Stunden das Gelände der UNO-Einrichtungen nicht zu verlassen.

20.3.2003 08:01