Djindjic-Mord: Bisher mehr als 1.200 Festnahmen
- Ermittlungen auch gegen Parteien
- BILDER: Das Djindjic-Attentat, die Trauer, das Portrait
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·Der Mafia-Mord
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Internat. Stimmen zum Tod Djindjic'
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Portrait: Macher des neuen Serbiens
Bei der Fahndung nach den Mördern des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic sind in den vergangenen acht Tagen bereits über 1.200 Personen festgenommen worden, meldeten Belgrader Medien am Donnerstag (heute). Im Dorf Kljaicevo bei Sombor (Nordvojvodina) gab es außerdem einen großen Waffenfund. Die Polizei stellte in der Nacht auf Mittwoch bei einer Mülldeponie zwei Säcke mit Waffen und Munition sicher. Bei dem Fund soll es sich um zehn halbautomatische und automatische Gewehre, Handgranaten, eine Pistole vom Typ Skorpion sowie 400 Munitionsstücke unterschiedlicher Kaliber handeln.
Die Polizei warnte indes Apotheken-Besitzer in der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad vor möglichen Einbrüchen durch Drogensüchtige. Drei führende Mafia-Gruppen der Stadt, die in Rauschgifthandel verwickelt waren und in direktem Kontakt zu der Zemun-Gruppe gestanden sind, wurden nämlich zerschlagen. Die Zemun-Gruppe wird von den Behörden beschuldigt, Djindjic ermordet zu haben.
Ermiitlungen auch gegen Polizei
Sieben Tage nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic scheint sich die Aufmerksamkeit der Polizei nicht ausschließlich auf Mafia-Gruppen zu richten. "Die Ermordung von Zoran Djindjic hat mit Gewissheit einen politischen Hintergrund gehabt", erklärte der neue serbische Ministerpräsident Zoran Zivkovic nach der ersten Regierungssitzung unter seinem Vorsitz am Dienstagabend. Die Ermittlungen würden zeigen, wer hinter dem Mordüberfall stehe und ob es sich um eine politische Gruppe oder eine Gruppe aus dem Ausland handle, präzisierte er.
Der serbische Kulturminister Branislav Lecic hat indes die Herausgabe von zwei Printmedien untersagt, die gegen die Mediengesetze während des Ausnahmezustandes verstoßen hatten. Lecic sagte gegenüber dem Sender B-92 am Mittwoch, dass seitens der Polizei auch eventuelle Kontakte der zwei Medien - der Zeitschrift "Identitet" und der Tageszeitung "Nacional" - zu Mafia-Gruppen untersucht würden.
Vizeministerpräsident Zarko Korac hatte gleich nach der Ermordung von Djindjic auf die Tatsache hingewiesen, dass die serbischen Mafia-Gruppen nicht nur "ihre Leute" in der Justiz und der Polizei gehabt hatten, sondern dass auf ihren Lohnlisten offensichtlich auch Journalisten gestanden seien. Die Wochenzeitschrift "Identitet" war schon vor Wochen mit dem Anführer der Zemun-Gruppe, welcher die Ermordung des Ministerpräsidenten angelastet wird, in direkte Verbindung gebracht worden. Einer der Inhaber soll nämlich Zemun-Chef Milorad Lukovic alias Legija sein.
Unter den politischen Parlamentsparteien dürfte nun das besondere Augenmerk der Polizei der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) von Vojislav Seselj sowie der Partei der Serbischen Einheit von Borislav Pelevic, einem einstigen Mitkämpfer des berüchtigten Milizenführers Zeljko "Arkan" Raznatovic, gelten. Bosko Ristic, Mitglied des parlamentarischen Justizausschusses, hat indes angekündet, dass sich niemand auf seine Abgeordnetenimmunität berufen könne, sollten Kontakte zur Mafia festgestellt werden.
Der serbische Ultranationalistenführer Seselj, der sich am 24. Februar - für manch heimischen Beobachter überraschender Weise - selbst dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt hatte, hatte in seinen Auftritten kurz vor der Abreise noch ein "blutiges Frühjahr" in Serbien in Aussicht gestellt. Seselj hatte Jahre lang als äußerst gut informierter Politiker mit Informationsquellen bei Polizei und Mafia gegolten. Er selbst hatte seine Freundschaft zu einigen Anführern der Zemun-Mafia, mit welchen er eine Zeit lang Schach zu spielen pflegte, offen zugegeben. Auf Grund seiner Artikel hatte "Identitet" vergangene Woche die Ermordung von Djindjic praktisch vorher gesagt.
Unterdessen hat der Belgrader Sicherheitsexperte Dragan Dzamic auf "grobe Unterlassungen" der Sicherheits- und Informationsagentur (BIA, einst Staatssicherheitsdienst) und des Innenministeriums bei der Bewachung des ermordeten Regierungschefs Djindjic hingewiesen. Die BIA hatte es nach Ansicht von Dzamic, einem einstigen Angehörigen einer Spezialmilitäreinheit, unterlassen, die Mordpläne zu aufzudecken und darüber den zuständigen Vizeministerpräsidenten Dusan Mihajlovic, der gleichzeitig Innenminister ist, zu unterrichten.
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