Dienstag, 18. März 2003

Erben der Paten: Zu Mafia-"Ausbildung" nach Sizilien

  • Leben in Amerika zu bequem: Söhne der US-"Paten" brauchen die wahren Wurzeln der Cosa Nostra

Um ihre Söhne zu echten Bossen auszubilden, schicken die in den USA lebenden Mafia-Paten ihre Erben in ihre Heimat Sizilien zurück. Denn in den USA sei das Leben der neuen Mafia-Generationen zu bequem. Und ein verwöhnter Playboy kann keine "Famiglia" führen.

Der abtrünnige Mafia-Boss Antonino Giuffre, der seit einem Jahr mit den italienischen Justizbehörden zusammenarbeitet, bestätigte die Ergebnisse, zu denen die amerikanische Bundespolizei FBI gelangt war.

Das harte Leben
Die künftigen Mafia-Paten seien nicht mehr das harte Leben gewöhnt und zu Opfern bereit, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" in ihrer Dienstag-Ausgabe. Daher würden junge Mafiosi in die sizilianische Provinz Trapani, eine Hochburg der Cosa Nostra, geschickt, wo sie trainiert und ausgebildet werden.

Giuffre berichtete, dass unter den sizilianischen Mafia-Familien Sorge wegen der Organisation der amerikanischen Clans herrsche. "Die Struktur ist löchrig geworden. In den USA braucht man starke Männer, nicht Laien, die grobe Fehler begehen", meinte Giuffre. Er berichtete, dass die mächtige New Yorker Mafia-Familie Bonanno, mehrere ihrer Vertrauensmänner in die sizilianische Stadt Castellammare del Golfo zu einem "Ausbildungskurs" geschickt habe.

Alte Werte
"Auf Sizilien wird die Jugend noch nach alten Methoden erzogen. Werte wie Respekt und Ehre sind noch lebendig."

Die Beziehungen zwischen Mafia-Familien in den USA und in Sizilien bleiben nach wie vor sehr eng. Nach Angaben des Kronzeugen Giuffres hatten amerikanische Clans eine entscheidende Rolle bei der Ermordung der Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1992 gespielt. Beide Staatsanwälte hatten mehrere Jahre lang über die Verbindungen zwischen Sizilien und den USA ermittelt.

18.3.2003 10:49