Donnerstag, 20. März 2003

Bis zu 2 Unterrichtsstunden pro Woche weniger

  • "Zukunftskommission" soll Lehrpläne durchforsten

"Niemand möge sich fürchten!" - Mit diesem Appell präsentierte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag ihre Pläne zur Reduktion der Schulstunden. Demnach fallen an den Oberstufen der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) sowie an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) jeweils zwei Unterrichtseinheiten pro Woche weg. An den Hauptschulen wird die Unterrichtszeit von derzeit 127 verpflichtenden Wochenstunden (erste bis vierte Klasse zusammengerechnet, Anm.) auf 120 reduziert, an der AHS-Unterstufe von 126 auf 120 (durchschnittlich eineinhalb Stunden pro Woche) und in der Volksschule von 92 auf 90 (durchschnittlich eine halbe Unterrichtseinheit pro Woche).

Vollständig umgesetzt soll die Reform laut Gehrer im September 2004 sein, erste Schritte müssen aber bereits im kommenden Schuljahr 2003/04 gesetzt werden. Am 31. März soll jene Verordnung mit einer vorgegebenen Stundentafel zur Begutachtung ausgesendet werden, in der die Fächer genannt werden, in denen Stunden wegfallen. Die Schulpartner (Eltern, Schüler, Lehrer, Anm.) an den einzelnen Standorten könnten sich aber auch auf eine "schulautonome" Stundentafel mit eigenen Schwerpunkten einigen. In einer solchen werde die breite Allgemeinbildung durch eine Mindeststundenanzahl für jedes Fach gesichert, so Gehrer.

Gleichzeitig soll eine "Zukunftskommission" unter dem Vorsitz des Leiters des österreichischen PISA-Zentrums, Günther Haider, die Lehrpläne durchforsten, Leistungsstandards für die einzelnen Schulstufen definieren, Instrumente zur Qualitätssicherung an den Schulen entwickeln und Neuerungen in der Lehreraus- bzw.
-weiterbildung ausarbeiten. Dabei könnte auch der Grundfächerkanon diskutiert werden, betonte Gehrer - für Änderungen dabei, also die Abschaffung eines Faches oder die Zusammenfassung mehrerer Gegenstände in einen neuen, bedürfe es aber Eingriffe ins Schulorganisationsgesetz (SchOG) und damit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament.

Die Stundenkürzung werde auch keinen Lehrer seinen Arbeitsplatz kosten, betonte die Ministerin. Im Landeslehrerbereich gingen jährlich rund 1.500 Pädagogen in Pension, bei den Bundeslehrern (AHS, BHS) rund 900. Durch die Nicht-Nachbesetzung vieler dieser Stellen würden Kündigungen vermieden. Natürlich werde mit der Stundenkürzung auch ein Einsparungseffekt erzielt, so Gehrer. Die Personalkosten bei den Bundeslehrern würden rund 2,1 Milliarden Euro pro Jahr betragen, durch die Nicht-Nachbesetzung würde in den kommenden beiden Jahren die 1,5-prozentige Steigerung auf Grund des "Struktureffekts" (etwa Biennalsprünge oder die steigende Schülerzahl im AHS- und BHS-Bereich) ausgeglichen. Keinen Einfluss auf die Zahl der Lehrerarbeitsplätze gebe es bei den Landeslehrern (Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schule), da der Dienstpostenanteil sich dort aus dem Finanzausgleich ergebe.

20.3.2003 12:09