Oö.Gendarmerie legte "Sex-Sumpf" trocken
- Mutmaßliche Zuhälter, Scheinehenvermittler und Geheimprostituierte ausgeforscht
Der oberösterreichischen Gendarmerie ist es gelungen, einen großen "Sex-Sumpf" trockenzulegen. Unter dem Stichwort "Soko Tantra" hat die Bezirks-Gendarmerie Linz-Land insgesamt acht mutmaßliche Zuhälter, vier Scheinehenvermittler und 35 Geheimprostituierte ausgeforscht.
Gegen weitere Personen wird noch ermittelt. Sie werden für zahlreiche Straftaten verantwortlich gemacht.
Begonnen haben die Gendarmeriebeamten ihre Erhebungen nach einer Anzeige durch eine Hilfsarbeiterin, die erst durch Zureden ihrer Schwestern zu Stande kam. Die Frauen hatten festgestellt, dass die Schwester innerhalb eines halben Jahres mittellos geworden war. Offenbar musste sie beinahe ganz allein einen Ring von Geheimprostitution und Betrügereien finanzieren.
Bausparverträgen und Kredit erpresst
Unter Tränen offenbarte sie, dass sie von zunächst unbekannten Tätern - sie kannte nur ihre Vornamen - durch Drohungen und Einschüchterungen dazu gezwungen worden war, das Geld aus zwei Bausparverträgen - rund 180.000 Schilling (13.081 Euro) - abzuliefern.
Ein Kredit über 130.000 Schilling (9.447 Euro) sei auf ihren Namen aufgenommen worden, zusätzlich würden auf sie drei Mietverträge, die Kosten von zehn Mobiltelefonen und zwei Gewerbescheine für eine Begleitagentur und ein so genanntes Tantra-Massagestudio, in dem unerlaubte Prostitution betrieben werde, laufen.
Scheinehe und Zwangs-Prostitution
Zuletzt sei sie genötigt worden, in die Türkei zu fliegen und dort eine Scheinehe mit einem Türken einzugehen, um diesem ein unbefristetes Visum für Österreich zu verschaffen.
Die Gendarmerie bildete eine "Soko Tantra" und schlug überraschend mit einer Kontrolle in dem Massagestudio zu. Dort entdeckte sie illegale Prostituierte, als sie sich gerade mit einem Freier beschäftigten. Außerdem stellten die Ermittler zahlreiche Beweismittel sicher.
Banken hereingelegt
Das Studio wurde demnach von drei "offiziell" beschäftigungslosen Männern betrieben. Einer von ihnen ist ein deutscher Staatsbürger aus Riesa im Osten Deutschlands, dem unter anderem vorgeworfen wird, mehrere österreichische Banken durch Überziehen von Konten und nicht zurückgezahlte Kredite um mehr als 21.000 Euro geschädigt zu haben.
Gegen den Mann, der bereits im Vorjahr aus Österreich ausgewiesen worden ist, wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen, auch wegen des Verdachtes der schweren Erpressung, des schweren gewerbsmäßigen Betruges, der mehrfachen Nötigung und gefährlichen Drohung. Er ist noch flüchtig.
Ein weiterer Verdächtiger - ein 36-jähriger Linzer - ist bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Er betrieb ein zweites "Massagestudio" und steht zudem im Verdacht, eine weitere Frau zur Aufnahme eines Kredites für ihn in der Höhe von 4.700 Euro verleitet zu haben. Dazu wird gegen ihn wegen Kreditbetruges - Schaden 91.000 Euro - Nötigung, gefährlicher Drohung, Körperverletzung und Zuhälterei ermittelt. Er befindet sich in U-Haft.
Geheimprostitution
Gegen die Lebensgefährtin des 36-Jährigen tauchte der Verdacht auf, dass sie Besitzerin eines weiteren Massagestudios in Linz sei und darüber hinaus mehrere Wohnungen angemietet habe, in denen Geheimprostituierte für sie arbeiteten. Die Frau - jahrelange Bezieherin von Arbeitslosenunterstützung und Notstandshilfe, befreit von Rundfunk- und Telefongebühren, Wohnbeihilfebezieherin - verdiente mit Zuhälterei und Prostitution ein hohes unversteuertes Einkommen.
Außerdem lockte sie Freiern teils mit dem Vorwand, sie wolle aus dem Milieu aussteigen, könne es sich aber nicht leisten, teils mit Erpressungen rund 180.000 Euro heraus. Sie wurde festgenommen.
Zehn Scheinehen mit Türken
Bei den drei Betreibern des Massagestudios stellte sich heraus, dass sie nicht nur die Frau, die schließlich Anzeige erstattet hat, sondern noch weitere Frauen, vornehmlich Geheimprostituierte, an einen türkischen Scheinehenvermittler "weitergereicht" hatten. Der 36-jährige Türke ist für die Organisation von zehn tatsächlich zu Stande gekommene Scheinehen und einem Versuch bereits zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.
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