Freitag, 14. März 2003

KaZaA & Co als Vorbild für Radios

  • Tauschbörsen-Monitoring könnte Playlists für Radio beeinflussen
  • Wertvolle Informationen für Musik- und Radioindustrie

Unautorisierte Online-Tauschbörsen wie KaZaA könnten künftig die Playlists der US-Radios umkrempeln. Der größte Radiobetreiber der USA, Clear Channel Communications, will damit beginnen, über seine landesweite Programmierungstochter Premiere Radio Networks ein Tauschbörsen-Monitoring anzubieten.

Mit Hilfe des in Los Angeles ansässigen Unternehmens BigChampagne sollen Daten über die Beliebtheit von Songs in Peer-to-Peer-Systemen zur Verfügung gestellt werden, berichtet das Wall Street Journal. Eine Art "Hitlist KaZaA“ könnte damit entscheidenden Einfluss auf die Musik haben, die der US-Radiohörer künftig "on air" zu hören bekommt.

Die von BigChampagne gelieferten Daten über den Musik-Download auf populären Online-Tauschbörsen können geographisch gegliedert werden. Zudem sei eine Analyse der Favoriten jener User möglich, deren Downloads substanziell mit den Playlists von Radiosendern übereinstimmen. Dadurch ist es für jeden Sender möglich, Erkenntnisse über die Online-Vorlieben seiner Zielgruppen zu erlangen. Dies könnte die derzeitige Musikauswahl entscheidend beeinflussen. Radiosender müssten danach streben, die Hits in den illegalen Peer-to-Peer-Systemen ihren Hörern legal anzubieten. Oft sind Songs in Online-Tauschbörsen aber schon vor ihrer Veröffentlichung zu haben.

"Infos sind wertvoll für Musikindustrie"
Clear Channel sieht im Monitoring von Online-Tauschbörsen, die ein rotes Tuch für die Musikindustrie sind, nichts Böses. Die Informationen seien "wertvoll für die Musik- und Radioindustrie", erläuterte Kraig T. Kitchin, Präsident von Premiere. Die Verwendung dieser Daten heiße nicht, dass "wir irgendeine illegale Musikdistribution verzeihen", so Kitchin weiter. Zu wissen, was Musikliebhaber auf KaZaA & Co am liebsten auf ihre Festplatten laden, wird mit zunehmender Verbreitung der Tauschbörsen immer wichtiger. Laut einer Umfrage des Marktforschers Ipsos-Reid gaben 19 Prozent der US-Amerikaner über zwölf Jahren an, schon einmal Musik aus dem Web gesaugt zu haben. Bei jüngeren Usern liegt der Anteil weit höher. (pte/red)

Weitere Informationen:

  • KaZaA-Website
  • Clear Channel Communications-Website
  • Premiere Radio Networks-Website
  • BigChampagne-Website
  • Ipsos Reid-Website

    14.3.2003 10:00