Dienstag, 11. März 2003

Broadway-Streik zu Ende!

  • Einigung zwischen Musikern und Produzenten
  • Experten beziffern möglichen Schaden mit 50 Mio Dollar

Nach vier stillen Tagen am Broadway spielt ab Dienstag wieder die Musik. Die streikenden Musiker von New Yorks berühmten Theatern einigten sich mit den Musical-Produzenten auf die Herabsetzung der minimalen Orchestergröße auf 18 oder 19 Instrumentalisten in den größten Häusern. Bisher spielten dort zwischen 24 und 26 Musiker.

Seit Freitag herrschte in 18 Musical-Theatern Stille. Nach der Einigung zwischen Musiker-Gewerkschaft und Produzenten trat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg am Dienstag mit der Erklärung vor die Presse: "Wir haben großartige Nachrichten. Der Broadway ist nicht länger dunkel." Bloomberg hatte sich persönlich in die zwölfstündigen Verhandlungen eingeschaltet. Die Theater-Eigentümer wollten die minimale Orchestergröße auf 15 Musiker begrenzen.

Schäden in Millionenhöhe
In einer Hochrechnung beziffern die Produzentenvereinigung und das New Yorker Tourismusbüro den Einnahmeverlust für Tourismusbetriebe wie Restaurants, Hotels und Taxiunternehmen mit bis zu 50 Mio. Dollar (45,45 Mio. Euro), sollte der Streik auch diese Woche andauern. Die Verluste der Musical-Produktionen sind in diese Summe noch gar nicht berücksichtigt. Die vier abgesagten Vorstellungstermine des durchstreikten Wochenendes haben die Produzenten bereits 4,8 Mio. Dollar (4,36 Mio. Euro) gekostet.

Multiplikator-Effekt
Gäste, die Broadway-Shows besuchen, übernachten auch in Hotels, essen in Restaurants und gehen shoppen, erklärt ein Tourismusexperte. "Das ergibt einen enormen Multiplikator-Effekt!" Der März gilt zudem als erster wirtschaftlicher Lichtblick nach zwei städtetouristisch unergiebigen Wintermonaten. Touristiker befürchten daher, dass potentielle Gäste New York fernbleiben könnten.

Broadway verliert Anziehungskraft
Die Theaterproduzenten wollen selbst für große Musicals am Broadway nur noch höchstens sieben statt wie bisher 24 bis 26 Instrumentalisten einsetzen. Dagegen wehrt sich jedoch die Gewerkschaft, die 325 Broadway-Musiker vertritt. Es gehe nicht nur um den Verlust von Arbeitsplätzen, der Broadway werde seine Anziehungskraft verlieren, wenn künftig nur noch Digitalmusik zur Begleitung der Akteure auf der Bühne eingespielt werde, lauteten deren Argumente. "Das ist nicht Las Vegas. Das ist New York. New York ist eine Stadt, die vom Live-Theater lebt", betonte ein Musiker. Ein Streik am Broadway 1975, der neun Musicals lahm legte, dauerte drei Wochen.

11.3.2003 13:13