Mittwoch, 12. März 2003

Irak: Gibt es eine Alternative zum Bomben?

  • NEWS live in Bagdad
  • PLUS: Die US- und Irak-Armeen

Die Menschen fürchten die Folgen des Schlachtens, in Europa, in den USA und im Irak: NEWS-Reportage aus Bagdad. Kann die UNO Bush noch stoppen? Bringen die Inspektoren Saddam zum Abrüsten?

In einem Bunker tief unter dem Weißen Haus, in dem mit Nachrichtenelektronik und Monitoren voll gestopften „Situation Room“, breitet Viersternegeneral Tommy Franks mit Karten und Schautafeln seine Invasionspläne vor US-Präsident George W. Bush aus. Mit dabei in der neonbeleuchteten Planungsstätte für „nationale Bedrohungen“ aller Art sind Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, CIA-Chef George Tenet und eine Schar hoch dekorierter Generäle. Für die hier versammelten Politiker und Militärs ist der Krieg beschlossene Sache. Auf 21 Milliarden Dollar dürften sich die Kosten allein für den Hin- und Rücktransport der bisher 235.000 US-Soldaten belaufen. „So viel Geld investiert man nicht, um nach der Vernichtung von ein paar irakischen Raketen wieder den Heimweg anzutreten“, meint Franks nach Ende des Briefings sarkastisch.

Bush lässt Franks Worten Taten folgen. Er lässt zwei weitere Militäreinheiten Richtung Golf in Marsch setzen: die in Wiesbaden stationierte Erste Panzerdivision und die Erste Kavalleriedivision, die aus Ford Hood in Texas den Weg antritt. Mit den zusätzlichen 35.000 Mann und den auf 48.000 Soldaten aufgestockten britischen Einheiten könnten bis Ende März 320.000 Mann bereitstehen – um 70.000 mehr, als die ursprünglichen Planungen vorsahen.

Kriegsangst
Druck und Drohgebärden auf der einen, Kriegsangst auf der anderen Seite: Während die irakische Bevölkerung mit fatalistischer Gelassenheit dem Krieg entgegensieht, warnen Politiker vor einer humanitären Katastrophe. „Nach dem Zusammenbruch von Müllbeseitigung, Strom- und Wasserversorgung fürchte ich eine Choleraepidemie“, erklärt Iraks Gesundheitsminister Umid Midhat Mubarak im Gespräch mit NEWS. Die österreichische Ärztin Eva Hobinger, die ein Spitalsprojekt betreut, kehrt nach Österreich zurück, weil sie im Irak „nichts mehr tun kann“, wie sie resignierend feststellt. In Basra, der Metropole im Süden des Landes nahe der kuwaitischen Grenze, wo die amerikanische Armee zum Angriff rüstet, hat sie die Kriegsvorbereitungen hautnah mitbekommen. „Täglich gibt es Dutzende Überflüge von Militärmaschinen. Kein Wunder, dass die Menschen in Panik leben.“

Millionen protestieren
Weltweit entladen sich Kriegsangst und Empörung über die amerikanische Großmachtpolitik in Demonstrationen. Auch vergangenes Wochenende nahmen rund um den Erdball Millionen Menschen an Friedenskundgebungen teil. In der indonesischen Stadt Surabaya versammelte sich eine halbe Million Menschen zu einem Friedensgebet. In Ägypten führte Präsident Hosni Mubarak mit zahlreichen Politikern seiner Nationaldemokratischen Partei eine Demonstration im Fußballstadion von Kairo an, das mit 400.000 Menschen gefüllt war.

Mehrheit gegen Krieg
Auch die Umfrageergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: In keinem einzigen Land der EU sind die Befürworter des Krieges in der Mehrheit. An der Spitze der Skeptiker liegt Frankreich mit 97 Prozent Ablehnung, vor der Schweiz, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Japan mit Werten über 80 Prozent. Selbst unter den sonst so kriegerischen Briten sind die Kriegsgegner mit 65 Prozent klar in der Mehrheit – in Blairs Labour Party sind es fast 80 Prozent.

Irak droht mit langem Krieg
Während die Amerikaner mit einem Sieg „innerhalb weniger Tage“ rechnen, scheint Saddam Hussein von einem zweiten Vietnam zu träumen. Nahezu täglich zeigt ihn das staatliche Fernsehen bei Treffen mit der Armeeführung. „Die Amerikaner sind uns in der Luft überlegen“, räumt er ein. „Aber der Krieg wird auf dem Boden gewonnen.“ Mit einem ausgeklügelten System unterschiedlicher Verteidigungsmaßnahmen glaubt er, die militärische Auseinandersetzung in die Länge ziehen und dadurch weltweiten Widerstand schüren zu können. Den Fehler des ersten Golfkrieges, als irakische Truppenkonzentrationen an der Front den Angriffen aus der Luft sichere Ziele boten, will er nicht wiederholen. Stattdessen setzt er darauf, den amerikanischen Vormarsch durch punktuelle Angriffe und Sabotageaktionen zu verzögern. Die Zerstörung von Brücken und Dämmen soll ihm Zeit geben, seine in kleine Kommandos aufgeteilten Truppen Schritt für Schritt in die Städte zurückzuziehen. Die Sprengung der Dämme des Euphrat würde zu großflächigen Überschwemmungen führen und weite Landstriche vorübergehend unpassierbar machen.

Hans-Henning Scharsach, Herbert Bauernebel, New York, Thomas Seifert, Bagdad

Die ausführliche Story lesen Sie im neuen NEWS.

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    12.3.2003 13:05