Freitag, 14. März 2003

Frankreich: Bankenaufsicht genehmigt Groß-Fusion

  • Lyonnais-Übernahme durch die Banque Agricole
  • Gemeinsam eines der größten 10 Geldinstitute Europas

In Frankreich entsteht ein neuer Bankenriese, was für die Kunden zunächst nicht augenfällig wird: Die französische Bankenaufsicht genehmigte in der Nacht zum Freitag den Zusammenschluss der Genossenschaftsbank Crédit Agricole mit der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais.

Das fusionierte Unternehmen verfügt über mehr als 9.300 Filialen und erwirtschaftet mit mehr als 71.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund zwölf Mrd. Euro. Die Bankenaufsicht forderte die Schließung von 85 Filialen, um Konkurrenzbanken zu schützen. Crédit Agricole und Crédit Lyonnais sollen zunächst eigenständige Marken mit getrennten Filialnetzen bleiben.

Der durch die Fusion entstehende französische Marktführer muss 85 Niederlassungen schließen und darf in bestimmten Regionen Frankreichs in den kommenden zwei Jahren nicht weiter expandieren. Das ordnete die Pariser Aufsichtsbehörde CECEI an. Die Schließung von Filialen ist in Gebieten erforderlich, in denen die beiden Banken zusammen einen Marktanteil von mehr als 45 Prozent haben.

Nach der Zahl der Niederlassungen ist der Crédit Agricole, der seine Kundschaft vor allem in ländlichen Gebieten hat, mit 7.500 Filialen der größere Partner. Der Crédit Lyonnais bringt jedoch mit mehr als 41.000 Angestellten das Gros der Beschäftigten und auch den höheren Anteil am Umsatz ein. Die bestehenden 9.300 Niederlassungen entsprechen einem Anteil von 27 Prozent am Gesamtnetz der Bankfilialen in Frankreich, wenn die ebenfalls im Kreditgeschäft tätige staatliche Post nicht mitgerechnet wird.

Dominierender Partner bei der Fusion ist der Crédit Agricole, der Mitte Dezember pro Crédit-Lyonnais-Anteilsschein 56 Euro geboten hatte. Damit wurde der Börsenwert des Crédit Lyonnais auf 19,5 Mrd. Euro taxiert. Die Aktiennotierung liegt derzeit zwischen 53 und 54 Euro. Am Freitag verzeichnete vor allem der Crédit Agricole einen außerordentlich hohen Kurssprung, der am frühen Nachmittag bei 14 Prozent und einer Notierung von 6,22 Euro lag. Beim Crédit Lyonnais blieb der Zugewinn mit rund zwei Prozent deutlich hinter dem Börsentrend zurück. Crédit Lyonnais hatte nach schweren Skandalen in den 90er Jahren am Rande der Pleite gestanden und konnte nur mit massiven staatlichen Geldspritzen gerettet werden.

14.3.2003 08:35