Donnerstag, 13. März 2003

Springer schreibt nach Sanierung schwarze Zahlen

  • Vor allem bei Zeitungen erneut Einbrüche im Anzeigengeschäft

Nach dem Krisenjahr 2001 schreibt der Axel Springer Verlag trotz weiterer Einbrüche im Anzeigengeschäft wieder schwarze Zahlen: Vor allem durch einen harten Sanierungskurs verbuchte der Konzern im vergangenen Jahr wieder einen Jahresüberschuss von 61 Mio.

Die Wende sei damit "mitten in der schwersten Krise der Medienbranche seit dem Zweiten Weltkrieg" gelungen, betonte Vorstandschef Mathias Döpfner am Donnerstag in Berlin. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen eine Dividende von 65 Cent pro Aktie vor.

Auch für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem Gewinn. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Konjunktur nicht nochmals gravierend verschlechtere. "2003 wird ein weiteres Jahr der Konsolidierung", erklärte Döpfner. Bereits 2002 habe der Konzern seinen Kurs hin zur Konzentration auf die Kernbereiche Zeitungen, Zeitschriften und Elektronische Medien konsequent verfolgt. So wurden verlustreiche Titel und Beteiligungen im Ausland verkauft und die Trennung von sämtlichen Aktivitäten im Buchgeschäft eingeleitet.

Döpfners Rosskur für den Axel Springer Verlag umfasste auch massive Stellenstreichungen: 2002 ging die Zahl der Mitarbeiter um 866 auf 13.203 im Jahresdurchschnitt zurück. Damit sei der bis Ende 2003 geplante Personalabbau um zehn Prozent schon im vergangenen Jahr weitgehend erreicht worden. Allein an Personalkosten sparte Axel Springer dadurch 73 Mio. Euro ein.

Der Umsatz des Konzerns sank 2002 vor allem durch schmerzhafte Verluste im Anzeigengeschäft gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent auf 2,78 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr erwarte der Vorstand allenfalls stagnierende Werbeaufwendungen, hieß es.

Im vergangenen Jahr ging der Anzeigenerlös allein bei den Zeitungen, die gut die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachen, um zehn Prozent oder 82 Mio. Euro zurück. Beim Umsatz aus dem Zeitungsverkauf verzeichnete der Verlag mit 657 Mio. Euro jedoch nur ein Minus von 1,3 Prozent. Ohne die Preiserhöhung für die "Bild"-Zeitung wäre der Rückgang nach Verlagsangaben deutlicher ausgefallen: Seit September müssen die Leser in sieben deutschen Großstädten für Deutschlands größtes Boulevardblatt 50 Cent und damit fünf bis zehn Cent mehr bezahlen als zuvor.

Gegen den allgemeinen Trend konnten bei den Zeitschriften einzelne Titel wie "Funk Uhr", "Bildwoche" und "Bild der Frau" mehr Anzeigenerlöse erwirtschaften als im Vorjahr. Doch auch hier ging der Anzeigenumsatz im Jahresvergleich insgesamt um knapp fünf Prozent zurück. Die Vertriebserlöse stiegen dagegen um 1,3 Prozent auf 468 Mio. Euro.

Bei der verkauften Auflage mussten sämtliche Flaggschiffe des Verlags Verluste hinnehmen: So wurden im Jahresdurchschnitt 2002 täglich gut 4,1 Mio. Exemplare der "Bild"-Zeitung verkauft, das waren 242.000 weniger als im Vorjahresdurchschnitt. Die "Bild am Sonntag" verkaufte sich im Jahresvergleich an jedem Wochenende 164.000 Mal weniger. Bei der Tageszeitung "Die Welt" belief sich der Rückgang auf gut 25.000 Exemplare, und die verkaufte Auflage der Fernsehzeitschrift "Hör Zu" sank deutlich unter die Zwei-Millionen-Marke.

Dass sich der Verlag den modernen Zeiten weiter anpassen will, soll auch ein neues Konzern-Logo zeigen, dass in Berlin erstmals vorgestellt wurde: Ein schwarzes und drei weiße Quadrate neben dem Schriftzug "axel springer".

13.3.2003 15:02