Mittwoch, 12. März 2003

Einigung in Post-Streit: Streik wird eingestellt

  • Neue Verhandlungen über Einsparungen folgen

Es wird neu verhandelt - der Bummelstreik bei der Österreichischen Post AG ist vorbei. Nach fünfstündigen Verhandlungen haben sich Vorstand und Gewerkschaft geeinigt: Das Postmanagement hält zwar an den geplanten Einsparungszielen für 2003 fest, die Gewerkschaft wird aber alternative Einsparungskonzepte vorlegen, die vom Vorstand "in den nächsten Tagen substanziell geprüft werden", wie Post-Sprecher Michael Homola nach den Verhandlungen betonte.

Post-Gewerkschafter Martin Palensky sprach gegenüber der APA von einer "Sach- und Vernunftseinigung im Sinne der Post-Kunden und -Mitarbeiter". Die am Dienstag angelaufenen Proteste - "Dienst nach Vorschrift" und Betriebsversammlungen in ganz Österreich - werden eingestellt. Die Rückstände, die im Zuge der Betriebsversammlungen der vergangenen Tage entstanden sind, sollen bis spätestens Montag restlos aufgearbeitet werden, heißt es aus der Post.

Durch die Proteste war es am Mittwoch in ganz Österreich zu Verzögerungen vor allem bei der Werbepostverteilung aber auch bei der Briefzustellung gekommen. Knapp 1.000 Briefträger verrichteten seit Dienstag nur noch "Dienst nach Vorschrift". Rund 400.000 Postempfänger waren allein von diesen Protesten betroffen. Dazu kamen am Mittwoch noch Betriebsversammlungen in Teilen Wiens, Kärntens, der Steiermark und Salzburgs, die die gesamten Zustellungen zusätzlich beeinträchtigten.

Auslöser der Proteste waren die erst vergangene Woche kräftig nach oben revidierten Personaleinsparungsziele bei der Post. Die Gewerkschaft befürchtete den Abbau von 4.000 der derzeit rund 29.000 Mitarbeiter allein in diesem Jahr. Laut Post-Vorstand soll die Zahl der Mitarbeiter heuer um rund 1.800 Vollzeitarbeitskräfte reduziert werden.

Der oberste Postgewerkschafter Gerhard Fritz warf dem Vorstand noch am Dienstag außerdem "Misswirtschaft" vor. Es sei "nicht einzusehen, dass die Belegschaft für jahrelange Fehlleistungen des Managements büßen muss", meinte Fritz am Dienstag vor Journalisten. Die Briefträger würden durch Eisparungen massiv belastet, deshalb notwendige Überstunden mit 2,5 Euro brutto nur unzureichend abgegolten.

Einsparungspotenzial von rund 55 Mio. Euro sieht die Gewerkschaft statt beim Zustellungs-Personal vor allem im Bereich Transport, Marketing und in der Verwaltung. Der Postvorstand wies diese Rechnung samt den erhobenen Vorwürfen bereits am Dienstag zurück. Am Einsparungsziel von rund 1.000 Mitarbeitern in der Zustellung hält er auch nach der Einigung am Mittwoch fest.

12.3.2003 16:35