Mittwoch, 12. März 2003

US-Airlines: Bei Irak-Krieg wackeln 100.000 Jobs

  • Fluglinien erwarten zusätzliche Verluste von 4 Mrd. Dollar
  • Kursstürze bei Aktien der größten US-Fluglinien

Die Krise der amerikanischen Luftfahrt seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich angesichts des drohenden Irak-Kriegs weiter dramatisch verschärft. Die ohnehin angeschlagenen US-Fluggesellschaften befürchten im Fall eines Irak-Kriegs Milliardenverluste. Der Luftfahrtverband ATA sprach am Dienstag von zusätzlichen Verlusten von mindestens vier Milliarden Dollar (3,6 Mrd. Euro).

Die Aktien der insolvenzbedrohten AMR, der Muttergesellschaft der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines, brachen am Dienstag um 34 Prozent auf nur noch 1,59 Dollar ein. Sie haben im Vergleich zu ihrem Zwölfmonats-Hoch 94,5 Prozent an Wert verloren. Die Aktien der Delta fielen um 22 Prozent, die Papiere der Continental um 15 Prozent und die der Northwest um zehn Prozent. United Airlines und US Airways stehen bereits in Insolvenzverfahren.

Der Verband der US-Fluggesellschaften ATA sieht im Falle eines Irak-Kriegs "ein erhebliches Risiko chaotischer Insolvenzen und Liquidationen in der Branche". Die Aussicht auf eine erzwungene Nationalisierung der Branche sei "nicht unrealistisch". Die US-Fluggesellschaften haben seit dem Terror vom 11. September bereits Gesamtverluste von 18 Mrd. Dollar akkumuliert, 100.000 Mitarbeiter gekündigt und mehrere hundert Flugzeuge außer Dienst gestellt.

Verluste von fast 11 Mrd. $ zu befürchten
Die ATA sieht für den Fall eines Irak-Kriegs als wahrscheinlichste Konsequenz für die Fluggesellschaften einen drastischen Anstieg der für 2003 ohnehin erwarteten Verluste von 6,7 Mrd. auf dann 10,7 Mrd. Dollar. Dies würde mit einem Abbau von weiteren 70.000 Stellen und der Streichung von täglich 2.200 Flügen einhergehen. Denkbar seien aber auch Verluste von 13 Mrd. Dollar und der Wegfall von 98.000 Stellen.

Die Airlines schätzen die jährlichen Kosten für die nach den Terrorangriffen staatlich angeordneten Sicherheitsmaßnahmen, für zusätzliche Steuern, hohe Versicherungskosten und andere Belastungen auf vier Mrd. Dollar. Dieses Geld wollen sie von der Regierung ersetzt bekommen. Ob Washington zu neuen Hilfen oder Subventionen bereit ist, bleibt abzuwarten. Die US-Airlines hatten nach den Terrorattacken bereits fünf Mrd. Dollar erhalten, und die US-Regierung hatte staatliche Kreditgarantien von zehn Mrd. Dollar bereitgestellt. Die Airlines verweisen auch auf die Verdoppelung der Flugbenzinpreise, die gedrückten Flugpreise und das stark reduzierte Passagieraufkommen.

Die Gewerkschaften, die mehr als 75.000 Mitarbeiter der American Airlines vertreten, wollten am Mittwoch an zahlreichen US-Flughäfen demonstrieren, um Washington zu neuen Regierungshilfen zu veranlassen. "Die Lage bei der American Airlines ist ernst", erklärten sie, doch sei dies kein Einzelfall.

Die American Airlines fordert von ihren Gewerkschaften Zugeständnisse beim Lohn in Höhe von 1,8 Mrd. Dollar. Die Piloten verhandeln bereits. Die Flugbegleiter wollen ebenfalls mit Konzessionsverhandlungen beginnen, teilte ihre Gewerkschaft mit. Das Bodenpersonal soll auch zur Kasse gebeten werden. Die American Airlines will ihrerseits zwei Mrd. Dollar an sonstigen Kosten einsparen und so den Gang zum Insolvenzrichter vermeiden.

12.3.2003 09:00