Deutschland erstmals seit 20 Jahren im EC-Abseits
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Den 18. März des Jahres 2003 wird Fußball-Deutschland wohl nicht so schnell vergessen. Denn seit Dienstag Abend ist es Gewissheit: Erstmals seit fast 20 Jahren, seit der Saison 1983/84, tappte das Land des aktuellen Vize-Weltmeisters vor dem Europacup-Viertelfinale ins totale Abseits. Alle sieben DFB-Klubs, die sich für die Champions League und den UEFA-Cup 2002/03 qualifizierten, befinden sich in der Runde der letzten acht Vereine in der für sie ungewöhnlichen Rolle des Zuschauers.
Nach Bayer Leverkusen und Bayern München in der "Königsklasse" sowie Hertha BSC, VfB Stuttgart, Werder Bremen und FC Schalke im UEFA-Cup musste sich nun zum Abschluss der CL-Zwischenrunde auch Borussia Dortmund als "letzte Mohikaner" vorzeitig vom internationalen Geschäft verabschieden. Der BVB verspielte in Gruppe D trotz des historischen 1:0-Auswärtssieges gegen AC Milan die deutsche Chance auf die Rückeroberung des vierten Startplatzes in der Elite-Liga.
Am Mittwoch Abend könnte Bayer Leverkusen noch ein schwarzes Pünktchen auf die deutsche Europacup-Pleite setzen. Im Falle einer weiteren Niederlage im Heimspiel gegen Inter Mailand (kämpfte im Fernduell mit Newcastle United um Aufstieg) wäre der Vorjahresfinalist die erste Mannschaft der CL-Geschichte, die in der Zwischenrunde keinen einzigen Punkte erobert hätte. Doch zurück zum Dienstag: Dortmund gelang gegen die Rossoneri in San Siro der erste deutsche Sieg seit 47 Jahren (4:3 des 1. FC Saarbrücken am 1.11.1955).
Zum Matchwinner wurde der Tscheche Jan Koller, der zehn Minuten vor dem Ende das Goldtor gegen den 16fachen italienischen Meister, der nicht in Bestbesetzung angetreten war, schoss. Das Wunder vom Aufstieg vereitelte Titelverteidiger Real Madrid mit dem glücklichen 1:0-Sieg (Kopftor von Ronaldo/35.) in Moskau gegen die bereits aus dem Rennen gewesenen Lokomotive. Trotz der Enttäuschung über das K.O. klang in der Stimme von BVB-Manager Michael Meier der Stolz durch: "Ich mache es mir einfach: Es fehlten zwei Minuten, das war der einzige Unterschied."
Bei einem Punkt Rückstand auf Real meinte er damit das 1:1 daheim gegen die Madrilenen. Ohne das verflixte Last-Minute-Tor von Javier Portillo vor drei Wochen im Westfalen-Stadion gegen das Weiße Ballett wäre nicht der BVB, sondern Real auf der Strecke geblieben. "Wir haben in der ersten Hälfte schlecht gespielt, letztlich aber doch Borussia sehr gut vertreten. Wir sind auch ein bisschen unglücklich ausgeschieden", sagte Trainer Matthias Sammer.
Als Trost blieb jedoch die Erkenntnis, dass man den Großen in Europa wieder ein gutes Stück näher gekommen ist. Im Lager der Spanier ärgerte man sich über den "Gemüse-" (El Pais) und "Kartoffelacker" (Marca) fast mehr als man sich über den Aufstieg freute. "Auf so einem Platz kann man nicht sielen, das war wie Strandfußball", befand Luis Figo. Trainer Vicente del Bosque fiel nach dem ersten Sieg einer Real-Elf in Moskau ein Stein vom Herzen: "Das war wahrscheinlich die schwerste Partie meiner Amtszeit. Aber nun wollen wir das Double schaffen, Meister und Sieger der Champions League werden."
Während Real in Gruppe C Milan im Lift nach oben begleitet, wurde im Pool D Juventus Turin von Manchester United "mitgenommen". Der sechste und letzte Spieltag der Zwischenrunde, die ab der kommenden Saison abgeschafft wird, wurde in Gruppe D wurde fast zur Face. Die bereits vorher qualifizierten Engländer waren mit einem B-Team in La Coruna angetreten und unterlagen Deportivo glatt 0:2. "Ich bin mit der Leistung der Jungen wie wie Lynch und Roche gegen einen starken Gegner zufrieden", sagte ManU-Manager Alex Ferguson.
Mit Anstand sagte auch der FC Basel "Gruezi". Die Schweizer hätten Juve 4:0 oder mit fünf Toren Differenz schlagen müssen, sie gewannen "nur" 2:1, aber immerhin. "Eins solcher Sieg ist ein ein halbes Jahr Arbeit wert", meinte FCB-Trainer Christian Gross, während dessen Kollege Marcello Lippi trocken feststellte: "Die Champions League ist abgehakt, wichtiger ist für uns jetzt als Tabellenführer der Serie A-Gipfel gegen Milan am Samstag." Der Aufstieg wird allen Viertelfinalisten von der UEFA mit je vier Mio. Franken (2,72 Mio. Euro) honoriert.
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