Mittwoch, 12. März 2003

Bundesliga präsentierte neues Lizenz-Handbuch

  • Überarbeitete Bestimmungen treten ab sofort in Kraft
  • Westenthaler erhofft sich Image-Verbesserung

Der FC Tirol, der im Sommer 2002 als Meister das Handtuch hatte werfen müssen, war der Gipfel der Misswirtschaft einiger heimischer Fußball-Vereine. Dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt, dafür möchte in Zukunft die Bundesliga sorgen. Sie präsentierte am Mittwoch in Wien ihr neues Handbuch für das Lizenzierungsverfahren. Es basiert auf den neuesten Erkenntnissen und Bestimmungen der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und wird in Österreich mit Übergangsregeln schon für die Saison 2003/04 als Maßstab herangezogen.

Die Vergabe der Spielbewilligungen, die die Bundesliga ab 1996/97 für die zwei höchsten Spielklassen des Landes eingeführt hat, war in den vergangenen Jahren stets eine Gratwanderung zwischen einer wirtschaftlichen Gesundung der Vereine und strengen Richtlinien für die Klubs sowie Gegenstand von Streitereien. Die neuen, überarbeiteten und angepassten Bestimmungen werden schon jetzt angewendet. Bis Montag müssen die 20 Klubs ihre Unterlagen eingereicht haben, die Lizenzen werden am 30. April erteilt oder nicht.

Lizenz wird für ein Jahr erteilt
Wesentlichste Änderung ist, dass ein Verein nicht mehr zentral von KPMG geprüft wird, sondern jeder Verein einen Wirtschaftsprüfer seines Vertrauens einsetzen darf, um sich auf Herz und Nieren anhand des neuen Katalogs durchleuchten zu lassen. "Der Prüfer muss vom jeweiligen Klub völlig unabhängig sein und darf in keiner Beziehung zum Verein stehen," sagte dazu Liga-Vorstand Thomas Kornhoff, der sich eine genauere Prüfung verspricht. Die Lizenz wird für jeweils ein Jahr erteilt. Es werde für keinen Verein eine Lizenz geben, dessen Unterlagen ein Mitwirken über eine ganzen Saison nicht garantiert.

Dazu werden als begleitende Maßnahmen laufende Controllings eingeführt. "Wir nehmen nicht nur die Jahresabschlüsse, sondern auch die Quartalsberichte, die Budgets und Liquiditätspläne genau unter die Lupe", kündigt Reinhard Herovits, der Lizenz-Manager der Bundesliga, an. "Die Erfahrung der Vergangenheit hat gezeigt, dass wir den Sicherheitsgurt enger schnallen müssen. Wir wollen Klubs nicht ausschließen, sondern ihnen helfen", meint Liga-Vorstand Peter Westenthaler.

Image-Verbesserung durch Lizenzierung
Das neue Lizenzierungsverfahren trage auch zu einer Image-Verbesserung der Bundesliga bei, so der frühere FPÖ-Politiker. "Wir müssen verlässliche Partner der öffentlichen Hand und der Wirtschaft sein, damit in den Fußball investiert wird. Mit dem neuen Lizenzierungsverfahren sind wir auf einen guten Weg", so Westenthaler, der eingestand, dass in der Verangenheit einiges undurchschaubar gewesen sei. Kornhoff ergänzte: "Wir sollten dorthin kommen, dass alle Bilanzen offen gelegt werden."

Das neue Handbuch soll einen Rahmen schaffen, um die Qualität hinsichtlich Nachwuchsförderung, Organisation, Infrastruktur und Finanzgebarung zu fördern. Das Lizenzierungsverfahren wird nach folgenden Kriterien vorgenommen: Sportliche, personelle, administrative, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle. Die neuen Regeln wurden bereits im Dezember von der Bundesliga-Hauptversammlung verabschiedet.

Das österreichische Lizenzierungshandbuch ist für UEFA-Projektleiter Marcel Benz mit "höheren Standards versehen als die Mindestanforderung der UEFA. Österreichs Fußball kennt das schon lange und im Vergleich zu anderen Ländern hat die Bundesliga eine privilegierte Position inne. Sie hat sich aber auch die Messlatte selbst höher gelegt," sagte der Schweizer, der den neuen UEFA-Katalog in Wien präsentierte und bereits rund 45 Lizenz-Bücher aus anderen Länder vorliegen hat. Als überaus positiv wertete er, dass in Österreich auch die zweite Spielklasse ein Lizenzierungsverfahren besitzt.

12.3.2003 14:38