Mittwoch, 12. März 2003

Karriereende? Alles offen - Eberharter taucht unter

  • Steff wird in Innsbruck (Di.) und Stumm (Fr.) geehrt
  • PLUS: Alle Infos zur Weltcup-Saison 2002/03

Am Dienstag Ehrung durch den Tiroler Landeshauptmann in Innsbruck (18:00), am Freitag (19:00) der Empfang zu Hause in Stumm. Stephan Eberharter wird diese Woche seinen zweiten Weltcup-Gesamtsieg noch intensiv feiern, dann aber wird der beste Skifahrer der Gegenwart bald "untertauchen". Um abseits des Trubels zu entscheiden, ob er noch einen Winter anhängen wird oder nicht.

In Norwegen zog Eberharter Bilanz einer Saison, die ihm WM-Gold im Super G sowie zum zweiten Mal die große Kristallkugel und alle Speed-Wertungen gebracht hat. "Ich bin wirklich froh, dass es sich wieder ausgegangen ist", gestand er. "Beim Sturz in Val d'Isere hatte ich Glück, da hätte alles vorbei sein können." Einziger Wermutstropfen: "Danach hat es im Riesentorlauf nicht mehr so funktioniert." Doch mit seiner Gesamtleistung hat sich der Zillertaler auch selbst überrascht. "Es wird ja nicht leichter, wenn man älter wird. Ich habe wieder neun Rennen gewonnen, das Vorjahr also fast eingestellt. Und das trotz einiger wirklich schwieriger Abfahrten. Gewaltig waren vor allem der zweite Comeback-Versuch in Bormio, die übrigen Highlights Wengen und Garmisch."

Dass er mit 25 Siegen nur noch einen Erfolg hinter Franz Klammer liegt, sei allein kein Grund, weiter zu machen. "25 ist eine schöne, runde Zahl, das taugt mir voll. Aber hinter Klammer zu sein ist ja auch nicht schlecht und es hört ohnehin nie auf. Wenn du weiter fährst, willst du den nächsten einholen und das geht immer so weiter."

Egal wie es im Herbst mit dem Tiroler weiter geht, ein wirklich konkretes Bild hat er nur von der fernerer Zukunft. "Sport hat 30 Jahre mein Leben bestimmt. Einen abrupten Schnitt kann ich mir schwer vorstellen", sieht er sich weiterhin mit dem Sport verbunden. Aber nicht gleich nach dem Karriere-Ende. "In den ganzen Jahren habe ich wenig Zeit zum Leben gehabt, also will ich nicht so schnell einen Job, in dem ich viel herumreisen muss. Ich hoffe, ich komme von diesem Plan nicht ab."

Näher liegt aber das Morgen. "Ich sehne mich danach, den Koffer aus- und für längere Zeit nicht mehr einpacken zu müssen, das Gewand endlich in den Schrank legen zu können." Ein Haus zu bauen steht ebenfalls auf dem Plan. "Da drin kann ich dann alles aufstellen, was ich gewonnen habe."

Natürlich sei er momentan froh, dass die Saison vorbei ist. Umso erstaunlicher sind seine Pläne. "Es klingt wie ein Witz, aber jetzt freue ich mich auf einige schöne Skitage für mich selbst", überraschte der Tiroler. "Kurze Ski, in der Sonne hocken, das geht im Weltcup-Stress ja nie." Angst vor der Begeisterung der Fans hat er nicht. "Daheim bin ich Teil der Zillertaler, die wissen, dass ich da wohne. Ich hab' also meine Ruhe, mehr als Hallo Steff und small talk gibt's nicht."

In Summe will er sich aber zurücklehnen, öffentlichen Auftritte so gering wie möglich halten. "Das sollten alle verstehen. Irgendwann muss Ruhe sein, um die Gedanken zu reinigen und die Batterien aufzuladen. Dann könnte es eine Fortsetzung der Karriere geben." Körperlich wäre es ja kein Problem. "Natürlich zwickt und zwackt es, ich habe eine alte Verletzung im linken Knie. In Summe bin ich aber sicher noch ein Jahr tauglich", scherzte er.

Die Voraussetzungen dafür sind aber klar: "Wenn ich weiter mache will ich auch konkurrenzfähig sein. Natürlich wäre auch ein Fun-Faktor dabei, weil es die letzte Saison ist. Aber ich kenn mich ja, mit hinteren Plätzen würde ich mich nie begnügen."

Was spricht für ein Karriere Ende? Eberharter: "Ich vergleiche es immer mit dem Berufsleben. Irgendwann hast du alles erreicht und es interessiert dich nicht mehr. Was immer man tut, es sollte unabhängig sein von Geld und Freude machen. Das sind Kriterien, die auch mich beeinflussen. Ich muss den Sommer abwarten, gut möglich, dass ich dann das Baden bevorzuge, dann wird die Karriere eben vorbei sein. Aber derzeit mache ich keine Prognosen."

Ob er aufhört, weiß also derzeit nicht einmal Eberharter selbst. Über das Wie hat er sich aber bereits Gedanken gemacht. "Mir hat immer getaugt, wie das der Thomas Muster gemacht hat. Plötzlich war er nicht mehr da. Vielleicht sollte ich ja einfach mein Handy abdrehen. Der Herbst kommt, der ÖSV versucht den Eberharter verzweifelt zu erreichen weil irgendwo in Sölden ein Rennen ist und ich bin unauffindbar. Eine lustige Vorstellung." Die er nicht ausleben wird. "Ich war immer schon ein Verfechter des eigenen Weges."

12.3.2003 16:40