Kvitfjell-Abfahrt: Deneriaz siegt vor Stephan Eberharter
- Keine Punkte für Miller, erster Matchball für Steff im Super G
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Fast ein Katastrophen-Rennen für Österreich zum Auftakt des Weltcup-Finales. Stephan Eberharter verhindert in der Abfahrt von Kvitfjell eine totale Pleite für das ÖSV-Team. Der Weltcup-Leader raste nur um 17/100 am Sieg vorbei. Der geht an den Franzosen Deneriaz. Im Gesamt-Weltcup liegt Eberharter nun 173 Punkte vor Bode Miller, der in der Abfahrt leer ausging.
Stephan Eberharter hat beim Weltcup-Finale in Norwegen gleich im ersten Rennen einen Riesenschritt in Richtung Gesamtsieg gemacht. Zwar verpasste der Tiroler am Mittwoch in Kvitfjell als Zweiter hinter dem Franzosen Antoine Deneriaz seinen siebenten Saison-Abfahrtssieg hauchdünn um 0,17 Sekunden, baute aber seinen Vorsprung auf Bode Miller auf 173 Zähler aus, weil der US-Amerikaner (25.) punktelos blieb. Damit hat "Steff" schon am Donnerstag im Super G ersten Matchball.
Alles sprach gegen Eberharter
Obwohl er in der letzten Saisonabfahrt knapp geschlagen worden war, lieferte Eberharter ein kleines Meisterstück. Wegen des starken Windes wurde die Abfahrt verkürzt, die weiche Piste wurde immer schlechter, damit sprach an sich alles gegen den als 27. und Letzten gestarteten Tiroler. Aber Eberharter zeigte einmal mehr Klasse, entschied auf der Olympia-Abfahrt von 1994 die erste Nervenschlacht gegen Miller eindeutig für sich.
"Im Mittelteil habe ich zwar den Sieg verschenkt, weil ich zu gerade gefahren bin. Aber wichtig war, dass Bode nicht gepunktet hat", zeigte sich Eberharter im Ziel deshalb extrem zufrieden. Der Wind sei für alle gleich, die Abfahrt daher fair gewesen. Im Super G muss er nun nur noch 27 Punkte mehr machen als Miller, um schon vor den beiden technischen Rennen am Wochenende in Hafjell die große Kristallkugel sicher zu haben. "Ich hoffe, dass ich schon morgen im Super G den Sack zu machen kann", gab sich der Zillertaler dementsprechend zuversichtlich.
Millers Chancen sind stark geschrumpft
Während Eberharter schon am Mittwoch aus der Hand des norwegischen Königs Harald die Kugel für den Abfahrts-Gesamtsieg erhielt, war Miller klar, dass seine Chancen nun auf ein Minimum geschrumpft sind. "Es ist noch möglich, aber es wird schwer", gestand der US-Star, der sich etwas über die Verhältnisse ärgerte. "Schade, diese Abfahrt ist technisch anspruchsvoll, hätte mir total gepasst. Aber es waren keine fairen Bedingungen, bei einem Sprung hat mich der Wind voll erwischt", klagte Miller.
Eberharter kann nun im Super G zum ganz großen Sieger werden, sich auch dort im Match gegen Marco Büchel die zweite Disziplinen-Wertung sichern und den Gesamtsieg vorzeitig sicher stellen. "Aber es ist noch nicht vorbei. Miller hat jetzt nichts mehr zu verlieren, ist daher doppelt gefährlich", warnte ÖSV-Herrenchef Toni Giger.
Alpinchef Pum: "Steff ist cool geblieben"
Für Eberharter hatte Giger vorbehaltloses Lob. "Ich zähle diesen zweiten Platz zu einer seiner besten Fahrten überhaupt, weil er extrem unter Druck stand. Beide mussten heute siegen. Man hat aber gesehen, dass ausgerechnet Miller nicht so locker war wie sonst." Dem pflichtete auch Alpinchef Hans Pum bei. "Miller wollte es heute mit Gewalt erzwingen, das hat man schon nach zwei Toren gesehen. Steff ist hingegen cool geblieben."
Nur noch Hans Knauß (7.) und Klaus Kröll (9.) kamen vom ÖSV unter die Top-Ten, Weltmeister Michael Walchhofer beendet die Saison als Elfter. Schon jetzt ist absehbar, dass es in der kommenden Saison, wenn auch Hermann Maier und Christian Greber ins Team zurück kehren, einen internen Großkampf um die Startplätze in der Abfahrt geben wird. "Kombinierer" Hans Knauß war jedenfalls hoch zufrieden, er ist auch überzeugt, dass Eberharter bereits feiern kann. "Ich habe Bode noch nie jammern gehört. Aber heute hat er echt gesudert. ich glaube, er hat aufgegeben."
Ergebnisse der Weltcup-Abfahrt der Herren in Kvitfjell:
| 1. | Antoine Deneriaz | FRA | 1:28,37 Minuten | |
| 2. | Stephan Eberharter | AUT | 1:28,54 | +0,17 Sek. |
| 3. | Daron Rahlves | USA | 1:28,58 | +0,21 |
| 4. | Nicolas Burtin | FRA | 1:28,74 | +0,37 |
| 5. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | 1:29,15 | +0,78 |
| 6. | Bruno Kernen | SUI | 1:29,21 | +0,84 |
| 7. | Hans Knauß | AUT | 1:29,26 | +0,89 |
| 8. | Franco Cavegn | SUI | 1:29,30 | +0,93 |
| 9. | Klaus Kröll | AUT | 1:29,33 | +0,96 |
| 10. | Kurt Sulzenbacher | ITA | 1:29,34 | +0,97 |
| 11. | Michael Walchhofer | AUT | 1:29,38 | +1,01 |
| 12. | Didier Cuche | SUI | 1:29,39 | +1,02 |
| 13. | Josef Strobl | AUT | 1:29,42 | +1,05 |
| 14. | Peter Rzehak | AUT | 1:29,50 | +1,13 |
| 15. | Sebastien Fournier | FRA | 1:29,53 | +1,16 |
| 16. | Marco Büchel | LIE | 1:29,57 | +1,20 |
| 17. | Didier Defago | SUI | 1:29,65 | +1,28 |
| 18. | Ambrosi Hoffmann | SUI | 1:29,76 | +1,39 |
| 19. | Andreas Schifferer | AUT | 1:29,91 | +1,54 |
| 20. | Fritz Strobl | AUT | 1:29,92 | +1,55 |
| 21. | Hannes Trinkl | AUT | 1:29,99 | +1,62 |
| 22. | Christoph Gruber | AUT | 1:30,00 | +1,63 |
| 23. | Werner Franz | AUT | 1:30,14 | +1,77 |
| 24. | Marco Sullivan | USA | 1:30,26 | +1,89 |
| 25. | Bode Miller | USA | 1:30,50 | +2,13 |
| 26. | Benjamin Raich | AUT | 1:30,61 | +2,24 |
| 27. | Daniel Albrecht | SUI | 1:31,49 | +3,12 |
