Steffi Grafs Geheimnis: "Tatzen"-Tattoo am Bauch
- Im Interview spricht Silber-Steffi über ihre Ziele (Kasten rechts)
- PLUS: Die besten Bilder unserer Steffi (Kasten rechts)!
WM-Silber zählt für Steffi Graf wie Gold. Ihr neues Erfolgsgeheimnis: Locker statt verkrampft, die Liebe zu Golfer Niki Zitny und - ja da ist noch was: Wenn man ganz genau auf Steffis aktuelle Bilder schaut, dann gibt's da ein Mini-Tatoo knapp über ihrem Lauf-Dress. Zu sehen: Zwei kleine Tatzen ( Foto ansehen!).
Was die bedeuten ist unklar. Ob ihr neuer Glücksbringer fix oder nur ein Henna-Tattoo ist, hat sie uns auch noch nicht verraten...
Die Kärntnerin hat ihr Comeback nach der Tumor-Operation in Birmingham mit Hallen-WM-Silber über 800 m gekrönt. Europas Leichtathletin des Jahres 2001 musste sich am Sonntag mit 1:59,39 Minuten nur der überragenden Maria Mutola aus Mosambik (1:58,94) geschlagen geben und eroberte damit die bereits siebente Medaille ihrer Karriere. Für Österreich war es nach den zweiten Plätzen von Kugelstoßer Klaus Bodenmüller 1991 in Sevilla und von Graf vor zwei Jahren in Lissabon erst die dritte Medaille bei Hallen-Weltmeisterschaften in der olympischen Kernsportart.
"Das ist die schönste von allen Medaillen, die ich gewonnen habe", erklärte Graf nach der Ehrenrunde. "Dabei waren die letzten dreißig Stunden vor dem Finale die Hölle. Das Halbfinale hat mir die letzten Kräfte geraubt, ich war total ausgebrannt. Im Training vor der WM hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass mir in Birmingham was Schönes passiert. Und das ist dann am Samstag total ins Negative umgeschlagen, aber Gott sei Dank ist vor dem Finale der Schalter wieder zurückgekippt. Ich habe mir gesagt, es kann mir heute nichts passieren, ich muss ruhig, froh und relaxt sein, denn was kommt, das kommt. Ich bin cool geblieben und habe den Rat meines Trainers befolgt - ich bin dieses Mal 802 m voll durchgelaufen."
Eindrucksvolle Medaillenbilanz
EM-Bronze 1998 in Budapest, Hallen-EM-Gold 2000 in Gent, Olympia-Silber 2000 in Sydney, Hallen-WM-Silber 2001 in Lissabon, WM-Silber 2001 in Edmonton, Hallen-EM-Silber 2002 in Wien und Hallen-WM-Silber 2003 in Birmingham lautet nun Grafs eindrucksvolle Medaillenbilanz bei Großereignissen, bei denen sie drei Mal in Serie nur um Sekundenbruchteile das Nachsehen hatte: Vor zwei Jahren fehlten ihr unter dem Hallendach in Portugal nur 4/100 auf Mutola, die ein knappes halbes Jahr später in Kanada mit 3/100 Vorsprung auf die ÖLV-Rekordlerin zur Doppelweltmeisterin 2001 avancierte. Bei der Hallen-Heim-EM im Vorjahr hieß dagegen ihre Bezwingerin Jolanda Ceplak aus Slowenien, auch im Dusika-Stadion trennten Österreichs Laufgräfin nur 3/100 von Gold.
Rückschlag am 25. Juni 2002
Aber all diese knappen Niederlagen relativierten sich am 25. Juni 2002: Im Zuge einer Magnetfeld-Resonanz-Tomographie in Klagenfurt wurde Graf mit einem Tumorbefund konfrontiert. Dieses Gewächs drückte damals schon so stark auf den Ischiasnerv, dass die Athletin vom LCC Wien nur noch unter extremen Schmerzen trainieren konnte und deshalb die Saison vorzeitig abbrechen musste.
Operation mit hohem Risiko
"Ich lerne das Leben jetzt von einer anderen Seite kennen", meinte die Olympia-Zweite in dieser für sie schlimmen Zeit, hing doch die Fortsetzung ihrer Laufbahn am seidenen Faden, nicht nur wegen einer etwaigen Krebsdiagnose. "Im schlimmsten Fall kann ich gelähmt sein und damit nicht mehr laufen", wusste die Mathematik- und Italienischstudentin, dass die unumgängliche Operation mit einem hohen Risiko verbunden war.
Gutartiger Tumor
Graf hatte aber Riesenglück im Unglück: Der drei Mal 1,5 Zentimeter große Tumor im Bereich zwischen Ischiasnerv und rechtem Hüftknochen, der sich als gutartig erwies, wurde ihr am 16. Juli 2002 im Zuge einer fast dreistündigen Operation in Wien von einem dreiköpfigen Ärzteteam perfekt und ohne verhängnisvolle Nervendurchtrennung entfernt. Und so erlebte Österreichs Sportlerin der Jahre 2000 und 2001 den schönsten Augenblick ihres Lebens nicht auf der Laufbahn, sondern ausgerechnet im Krankenbett.
Ein steiniger Weg zurück
"Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Draufgabe. Denn meinen größten Moment habe ich schon gehabt, als ich nach der Operation aufgewacht bin und meine Zehen wackeln gesehen habe. Da hatte ich die Gewissheit, das ich nicht gelähmt bin", erklärte Graf vor ihrem Wettkampf-Comeback nach elf Monaten Pause am 2. Februar in Stuttgart, wo sie sich auf Anhieb für die Hallen-WM in Birmingham qualifizierte. Der Weg dorthin war aber ein langer und steiniger, dauerte es doch mehrere Monate, bis sie ihre volle Beweglichkeit nach der Operation wiedererlangt hatte. "Die Schmerzen waren in den ersten drei Monaten oft derart schlimm, dass ich wiederholt sogar an Rücktritt gedacht habe."
"Sport ist nicht das Wichtigste im Leben"
Mit ihrem unglaublichen Willen und Ehrgeiz machte die 29-Jährige jedoch das scheinbar Unmögliche möglich und kämpfte sich innerhalb von sechseinhalb Monaten zurück an die Weltspitze über 800 m. "Ich weiß aber nach all dem, was ich im letzten Jahr durchgemacht habe, dass Sport nicht das Wichtigste im Leben ist", betont Graf heute und bezeichnet sich im Vergleich zur Zeit vor der Operation als "viel ausgeglichener und demütiger". Außerdem hat sie neue Freude an der schönsten Nebensache der Welt gefunden. "Ich genieße jetzt jeden Laufschritt, weil ich genau weiß, was für ein Glück ich hatte, dass im Vorjahr bei der Operation alles gut gegangen ist."
Ein einmaliges Comeback
Und mit dieser Einstellung lief sie nur acht Monate bzw. 243 Tage nach ihrer Tumor-Operation in der National Indoor Arena auf ihrer Lieblingsbahn zu WM-Silber. Damit sorgte die Laufgräfin aus Völkermarkt nur wenige Wochen nach Ski-Superstar Hermann Maier für ein weiteres einmaliges Comeback in der österreichischen Sportgeschichte.
| Damen - 800 m: | |||
| 1. | Maria Mutola | MOZ | 1:58,94 |
| 2. | Stephanie Graf | AUT | 1:59,39 |
| 3. | Mayte Martinez | ESP | 1:59,53 |
| 4. | Jolanda Ceplak | SLO | 1:59,54 |
| 5. | Joanne Fenn | GBR | 1:59,95 |
| 6. | Jekaterina Pusanowa | RUS | 2:00,86 |
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