Donnerstag, 13. März 2003

Für Graf ist derzeit jeder Laufschritt ein Genuss

  • "Ziel ist das Erreichen des WM-Finales, alles danach ist Zugabe"
  • Plus: Österreichs Aufbot bei der Hallen-WM in Birmingham!

Alle in Österreichs Team trauen 800-m-Vizeweltmeisterin Stephanie Graf eine Medaille bei den IX. Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham zu. Angefangen von Sprint-Rekordlerin Karin Mayr über den rasenden FPÖ-Sportsprecher Elmar Lichtenegger bis hin zu ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber. Doch die Kärntnerin will von Edelmetall-Spekulationen nichts wissen. "Mein Ziel ist das Erreichen des Finales, alles, was danach passiert, ist eine Zugabe", betont Europas Leichtathletin des Jahres 2001.

Nach ihrer Tumoroperation im Juli 2002 hat Graf neue Freude an ihrem Sport gefunden. "Ich genieße zur Zeit jeden Laufschritt. Und ich liebe das Gefühl, dass ich jetzt bei Wettkämpfen wieder zeigen darf, was ich kann", erklärt die 29-Jährige, die sich mit 1:59,56 Minuten bereits im zweiten Rennen nach ihrer elfmonatigen Wettkampfpause auf die Nummer drei der Weltrangliste über die vier Hallen-Runden katapultiert hat.

"Meine Formkurve zeigt zwar nach oben, aber mir fehlen im Vergleich zu meinen Konkurrentinnen zwölf Wochen Training. Deshalb wird es für mich schon extrem schwer, das Finale der besten Sechs in Birmingham zu erreichen", wehrt sich die sechsfache Medaillengewinnerin entschieden gegen Understatement-Vorwürfe. "Das ist das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass ich ohne Druck zu einer WM fahren kann. Denn es wäre unverschämt, von mir eine Medaille zu erwarten, wenn man bedenkt, was mir im vergangenen Jahr passiert ist und was ich alles mitgemacht habe. Und schließlich weiß ich auch nicht, wie ich drei harte Läufe innerhalb von drei Tagen physisch verkrafte."

Im Kampf um den WM-Titel erwartet Graf ein Duell zwischen ihren beiden Erzrivalinnen. "Von der Papierform her sind Maria Mutola und Jolanda Ceplak die Topfavoritinnen und damit Gold und Silber schon vergeben", glaubt Österreichs Sportlerin der Jahre 2000 und 2001 und erwartet dahinter ein dichtes Gedränge um die weiteren vier Finalplätze. "Für diese kommen zehn Athletinnen in Frage. Daher wird für mich das Halbfinale am Samstag bei der WM der schwierigste Lauf, das wird richtig brutal. Da muss ich mich voll konzentrieren und darf mir taktisch nicht den geringsten Fehler erlauben. Aber auch schon der Vorlauf heute wird nicht leicht für mich."

In puncto Rennverlauf ist Graf zuversichtlich, dass sie in Birmingham die richtigen Antworten auf Attacken ihrer Gegnerinnen parat hat. "Ich weiß, dass ich die letzte Runde auf Druck laufen kann, also für eine Sprintentscheidung gerüstet bin. Ich bin aber auch für einen Tempolauf gewappnet", erläutert die Hallen-EM-Zweite von Wien, die mit den 1:59,56 ihre Karten noch nicht völlig aufgedeckt hat. "Aber auch die anderen haben noch große Reserven", verweist Graf auf die "schwachen Zeiten" der Favoritinnen.

WM-Titelverteidigerin Mutola aus Mosambik führt mit 1:58,83 die Jahresweltbestenliste an, die slowenische Hallen-Weltrekordlerin und Doppel-Europameisterin Ceplak scheint im Moment mit 1:59,97 gar nur an sechster Stelle der Topliste auf. "Nach dem Finale am Sonntag wissen wir dann, wer am meisten geblufft hat."

13.3.2003 10:01