Sonntag, 16. März 2003

Kriegs-Verwaltung: Der Irak geht von Angriff aus

  • Schützengräben und vier Militärbezirke
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Die Schützengräben in Grünflächen vor öffentlichen Gebäuden, in Parks und entlang des Tigris sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad untrügliche Zeichen für die sinkende Hoffnung auf Frieden. Nun setzte der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Präsident Saddam Hussein am Wochende auch noch eine Kriegsverwaltung ein, die das Land in vier Militärregionen unterteilt.

An ihrer Spitze stehen stehen enge Vertraute des 65-jährigen Machthabers und führende Mitglieder der regierenden Baath-Partei. Die Struktur der Verteidigungsbereiche ähnelt der von 1991, als eine US- geführte Koalition die irakischen Streitkräfte aus Kuwait vertrieb.

Saddam selbst behält sich das Kommando über die Luftwaffe, Luftabwehr und über sämtliche Boden-Boden-Raketen vor. Im sunnitischen Kernland und Bagdad und Tikrit, wo er seine Machtbasis hat, setzte der Staatschef seinen zweitgeborener Sohn Kusai als Kommandeur ein. Dieser befehligt bereits die als absolut loyal geltenden Republikanischen Garden und ihre speziellen Einheiten.

Die Region Mittel-Euphrat, in die die Schiiten-Hochburgen Kerbela und Nadschaf liegen, steht unter der Leitung eines im Ausland wenig bekannten Mitglieds des Kommandorats. Der Zuständige für die Region Süd mit dem Zentrum Basra, die möglicherweise von amerikanischen Truppen als erste ins Visier genommen wird, hat sich dagegen weltweit einen üblen Ruf erworben. Ali Hassan el Madschid, ein Cousin Saddams, setzte Kampfgas gegen die kurdische Zivilbevölkerung im Norden ein und trägt deshalb den Spitznamen "Chemical Ali".

Am Sonntag jährte sich zum 15. Mal der Überfall auf die Stadt Halabdscha, bei dem mehrere Tausend Menschen ums Leben kamen. Er sorgte auch für die Trockenlegung des Marschlandes im schiitischen Süden und entzog damit in diesem traditionellen Oppositionsgebiet vielen Menschen die Lebensgrundlage. Schließlich herrschte er als Gouverneur von Kuwait während der irakischen Okkupation des Nachbarlandes 1990/91.

Die Region Nord, die die ölreichen Provinzen Mosul und Kirkuk einschließt, befehligt Isset Ibrahim, der stellvertretende Chef des Revolutionären Kommandorates und zugleich ein langjähriger Kampfgefährte Saddams.

1991 hatte Saddam während des Krieges den Beschuss Israels mit konventionell bestückten Mittelstreckenraketen angeordnet. Darüber, welche Strategie er nun verfolgen könnte, wenn er angegriffen wird, spekulieren Beobachter in Bagdad nur. Sie halten es für möglich, dass er Restbestände von biologischen oder chemischen Kampfstoffen einsetzen könnte. Die Hauptstadt schwirrt derweil von Gerüchten.

Dazu gehört, das in Bewässerungsgräben rund um Bagdad Rohöl geleitet werde, um eine Rauch- und Feuerwand um die Hauptstadt zu entzünden. Einer Delegation der russischen Duma soll Saddam jedenfalls gesagt haben, er werde sich "mit allen Mittel" verteidigen.

16.3.2003 14:21