Samstag, 15. März 2003

Putschist erklärt sich zum Staatschef

  • Präsidentenflugzeug wurde vom Boden aus beschossen

Nach einem Putsch in der Zentralafrikanischen Republik hat sich der Führer der Aufständischen am Sonntag zum neuen Staatschef ausgerufen. Gleichzeitig setzte Francois Bozize die Landesverfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Die Anhänger des ehemaligen Heereschefs waren am Samstag in die Hauptstadt Bangui eingefallen und hatten am Sonntagmorgen ihren Sieg erklärt. Der bisherige Staatschef Ange-Felix Patasse hält sich zurzeit in Kamerun auf.

In einer Ansprache im staatlichen Rundfunk begründete Bozize den Putsch mit der bisherigen "Fehlverwaltung des Landes" und versprach "eine Regierung des Friedens und der nationalen Versöhnung". Seine Truppen hatten am Samstag nach stundenlangen Schussgefechten den Flughafen erobert und den Präsidentenpalast umstellt, als Patasse eine Konferenz mit anderen afrikanischen Regierungschefs in Niger besuchte. Die Regierungstruppen leisteten offenbar nur geringen Widerstand und beteiligten sich an Plünderungen.

Augenzeugenberichten zufolge entledigten sich viele Soldaten im Laufe der Kämpfe ihrer Uniform und mischten sich unter die Bevölkerung. Die Präsidentengarde habe die Plünderung von Patasses Privatresidenz angeführt, hieß es weiter. Patasses Hilfstruppen aus dem benachbarten Kongo, die im Oktober einen ersten Putschversuch Bozizes abgewehrt hatten, seien in Kanus über den Fluss in ihr eigenes Land zurückgekehrt. Es handelte sich um Anhänger des kongolesischen Rebellenchefs Jean Pierre Bemba, der den Rückzug seiner Truppen bestätigte.

Die Bevölkerung Banguis warf den mit Patasse verbündeten Kongolesen seit Monaten vor, sie hätten während der Kämpfe im Oktober Frauen vergewaltigt und Häuser geplündert. Der Staatschef wurde von seinen Gegnern der Korruption beschuldigt.

15.3.2003 22:06