Samstag, 15. März 2003

Hunderttausende bei weltweiten Demos gegen Krieg

  • Friedensmarsch über die Ringstraße in Wien
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Einen Tag vor dem Irak-Sondergipfel der Verbündeten USA, Großbritannien und Spanien (siehe Kasten rechts) haben am Samstag weltweit wieder hunderttausende Menschen gegen einen Krieg demonstriert. Protestaktionen fanden in praktisch allen europäischen Staaten statt. In Wien führte ein Friedensmarsch über die Ringstraße zur britischen Botschaft. Auch im Nahen Osten und in Asien gingen die Menschen auf die Straßen. Für den Abend war in Berlin eine Lichterkette gegen den Irakkrieg vorgesehen.

In Brüssel demonstrierten 40.000 Menschen, auch in Spanien gingen Zehntausende auf die Straße. An einer mittlerweile von der Polizei beendeten Sitzblockade vor dem US-Luftwaffenstützpunkt Rhein/Main bei Frankfurt nahmen laut Polizei 1.400 Kriegsgegner teil. Rund 7.500 Türken protestierten in der Hafenstadt Iskenderun gegen die Stationierung von US-Truppen, die dort bereits vor Anker liegen.

Spanische Demonstranten in mehreren Dutzend Städten empörten sich erneut über ihren Regierungschef Jose Maria Aznar, der zu den engsten Verbündeten der USA in der Irak-Frage zählt. Der Vorsitzende der Partei der Vereinigten Linken, Gaspar Llamazares, sagte mit Blick auf den für Sonntag geplanten spanisch-amerikanisch-britischen Gipfel auf den Azoren, dort träfen sich "die internationalen Gesetzesbrecher des Irak-Krieges".

In Athen zogen 10.000 Demonstranten zur amerikanischen Botschaft. "Wir werden Bush in eine NASA-Rakete stecken, damit er aufhört, Menschen umzubringen", sangen sie. Weitere 4.000 Griechen demonstrierten in Saloniki. Rund 3.000 griechische Zyprioten demonstrierten vor der US-Botschaft in Nikosia und verhängten den Zaun mit Anti-Kriegs-Transparenten.

In Paris versammelten sich mehrere tausend Menschen auf dem Place de la Nation. Einige schwenkten eine US-Flagge, deren Sterne sie mit Hakenkreuzen übermalt hatten. Schwedische Redner appellierten vor 3.000 Demonstranten in Stockholm an die USA und Großbritannien, ihre "Kriegshysterie" aufzugeben. 2.000 britische Moslems riefen bei einem Protestmarsch durch London alle arabischen und islamischen Länder auf, einen US-Angriff auf den Irak nicht zu unterstützen. Bei einer Gegendemonstration vor dem Parlament sprachen sich Exil-Iraker für einen Krieg und den Sturz des irakischen Regimes aus. In Moskau gingen etwa 1.000 Anhänger der Kommunisten und anderer linker Parteien auf die Straße.

Auch im Irak selbst nahmen mehrere zehntausend Menschen an einer Kundgebung teil, die offenbar von der Regierung organisiert wurde. Auch im Jemen zogen Zehntausende durch die Straßen von Sanaa und anderer Städte. In Palästina beteiligten sich mehr als 8.000 Menschen an Anti-Kriegsdemonstrationen. Die rund 4.000 Teilnehmer einer Kundgebung in Khan Yunis im Gazastreifen führten Bilder von Palästinenserpräsident Yasser Arafat und dem irakischen Staatschef Saddam Hussein mit sich. Sie verbrannten Fahnen der USA, Großbritanniens und Israels sowie Puppen von US-Präsident George W. Bush und dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon.

In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi folgten mehrere tausend Menschen einem Aufruf der regierenden Kommunistischen Partei. In der Stadt Naha auf der Insel Okinawa, dem Hauptstandort der US-Armee in Japan, protestierten mehr als 5.000 Menschen gegen den Krieg.

15.3.2003 17:12