Chinas neue Führungsriege
- Jiang Zemin behält die Fäden in der Hand
Chinas Parlament, der Nationale Volkskongress, hat am Samstag mit der Wahl von KP-Generalsekretär Hu Jintao zum neuen Staatspräsidenten den seit langem beschlossenen Führungswechsel in Peking offiziell abgesegnet. Damit verjüngt sich die Staatsspitze zwar deutlich, doch im Hintergrund zieht der scheidende Präsident Jiang Zemin als Vorsitzender der mächtigen Militärkommission und Oberbefehlshaber der Streitkräfte weiter die Fäden.
Die Mehrheit der 25 Politbüromitglieder sind frühere Jiang-Schützlinge.
Kurzporträts der wichtigsten Entscheidungsträger:
HU JINTAO tritt die Nachfolge von JIANG ZEMIN auch als Staatsoberhaupt der Volksrepublik an. Der 60-jährige bisherige Vizepräsident ist bereits seit vergangenem November Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Der studierte Wasserbauingenieur konzentrierte sich vor allem auf innenpolitische Themen. 1985 wurde der frühere Chef der kommunistischen Jugendliga jüngster Provinzparteichef Chinas in Guizhou, später schickte man ihn als Parteichef nach Tibet. 1992 wurde er jüngstes Mitglied des Politbüros, 1998 Vizepräsident.
JIANG ZEMIN (76), der 1989 bis 2002 Parteichef und seit 1993 auch Staatsoberhaupt war, behält seinen Einfluss als Vorsitzender der Militärkommission der KP und des Nationalen Verteidigungsrates. Damit ist er Oberbefehlshaber über die 2,5 Millionen Mann starke chinesische Volksbefreiungsarmee.
ZENG QINGHONG (63), als Nachfolger Hus neuer Vizepräsident, ist seit den achtziger Jahren engster Berater von Jiang Zemin. Als Sohn eines Revolutionsveteranen verfügt er über denkbar gute Beziehungen in der Parteihierarchie. Er hat Jiangs Machtbasis ausgebaut und dessen Feinde im Parteiapparat ausgeschaltet. Als Personalchef und Leiter der Organisationsabteilung des Zentralkomitees organisierte er den Generationswechsel.
Neuer Regierungschef wird der 60-jährige WEN JIABAO. Der stets smart gekleidete Technokrat gilt als Experte in den Bereichen Landwirtschaft und Finanzen. Wen soll ehrgeizige Reformpläne haben; so will er angeblich die Anzahl der Ministerien und Regierungskommissionen von 29 auf 21 reduzieren. Ebenso wie sein Vorgänger ZHU RONGJI (74) ist Wen im Volk beliebt.
WU BANGGUO (61), bisheriger stellvertretender Regierungschef, löst LI PENG im Vorsitz des Volkskongresses ab. Der Jiang-Vertraute war zwischen 1991 und 1994 Parteisekretär in Shanghai. Dem Politbüro gehört er seit zehn Jahren an.
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