Aids-Therapie: Neues Behandlungsprinzip zugelassen
- Wirkstoff verhindert Fusion der HI-Viren mit ihren "Opfern"
- Vor allem Einsatz bei Patienten mit versagender Vorbehandlung
·Ausbreitung
Hohe Aidsrate in der Karibik
·Aids-Waisen
UNICEF: 13,4 Mill. Kinder weltweit
·Aids: Eine Seuche geht um die Welt
Chronologie: Krankheit erst 1981 erkannt
·Hintergrund-Info:
So tötet das HI-Virus
Aids ist schwere Störung des Immunsystems
Nach sieben Jahren die erste neue Aids-Therapie auf anderer Wirkungsbasis als die bisher bekannten Mittel: Der Schweizer Pharmakonzern Roche und sein Entwicklungspartner Trimeris haben am Freitag bekannt gegeben, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA das neue Aids-Medikament Enfuvirtide ("Fuzeon", ehemals T-20) zugelassen hat. Es handelt sich dabei um den ersten Wirkstoff, der das Eindringen von HIV in Zellen verhindert (Fusionsinhibitor).
"Bei der Entwicklung von Fuzeon haben wir im Wesentlichen einen Teil des Virus genommen und ihn gegen sich selbst gerichtet. Die Sicherheit und Wirksamkeit dieses neuen Medikamentes ist in zwei sehr sorgfältig konzipierten wichtigen Studien bei einer breiten Auswahl vorbehandelter Patientinnen und Patienten nachgewiesen worden", erklärte der bekannte US-Aids-Forscher Dani Bolognesi und Geschäftsführer von Trimeris, das Unternehmen, das gemeinsam mit dem Schweizer Konzern das neue Wirkstoffprinzip - auch das Nachfolge-Molekül T-1249 befindet sich bereits im Test - entwickelt hat.
Zwei Injektionen pro Tag nötig
Der ursprünglich unter der Bezeichnung T-20 bekannt gewordene Wirkstoff ist ein synthetisch hergestelltes Eiweißmolekül aus 36 Aminosäuren. Es bindet an einer Stelle der "Noppen" des HI-Virus (GP 41), mit dem es mit der Membran jener Zellen verschmilzt, in die es im Rahmen der Infektion eindringt. T-20 muss allerdings zwei Mal pro Tag unter die Haut injiziert werden.
Bisher stehen für die Behandlung der HIV-Infektion folgende Therapieprinzipien zur Verfügung: Reverse Transkriptase-Hemmer (Nukleosid- oder Non-Nukleosid-Inhibitoren, welche das Umschreiben der Virus-RNA-Erbsubstanz in eine DNA zum Einbau in das Genom infizierter Zellen blockiert) und Protease-Inhibitoren, welche den Zusammenbau von neuen Viruspartikeln verhindern.
Großer Fortschritt 1995
Erst die ab 1995 mit den Protease-Inhibitoren möglich gewordene hoch wirksame antiretrovirale Therapie (HAART) hat zumindest in den westlichen Industriestaaten zu einer drastischen Reduktion der Aids-Todesfälle geführt. Die HIV-Erkrankung wurde in Richtung einer beherrschbaren chronischen Infektion gedrängt.
Doch das Entstehen von Resistenzen auch gegen die Kombi-Therapie und Behandlungsfehlschläge schufen den Bedarf für das neue Behandlungsprinzip. Je mehr verschiedene Strategien vorhanden sind, desto größer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit.
Viel versprechende Testergebnisse
Gemeinsam mit der Bekanntgabe der Zulassung des neuen Arzneimittels in den USA - dies soll auch in nächster Zukunft in Europa geschehen - veröffentlichte das New England Journal of Medicine am Freitag eine klinische Studie mit T-20 online. Dabei war bei 501 Aids-Patienten eine verbesserte herkömmliche Therapie mit einer solchen Behandlung plus dem neuen Arzneimittel verglichen worden. Demnach sprachen binnen acht Wochen doppelt so viele mit T-20 Behandelte gut auf die Therapie an wie in der Kontrollgruppe. Man erreichte weniger als 400 HIV-Partikel pro Kubikmillimeter Blut.
In Frage kommt das neue Medikament vor allem für HIV-Patienten, bei denen die herkömmliche Therapie keinen ausreichenden Effekt mehr hat. So erklärte im November vergangenen Jahres der Schweizer Aids-Spezialist Dr. Bernard Hirschel: "Diese neue Klasse von Medikamenten hat schon Patietnen das Leben gerettet, bei denen es keine andere Möglichkeit zur Behandlung mehr gab."
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