Donnerstag, 13. März 2003

Raketentests Nordkoreas: Japan schickt Zerstörer

  • Pjöngjang entwickelt laut USA auch Atombombe mit Uran

Die japanische Regierung hat nach dem jüngsten Test einer nordkoreanischen Anti-Schiffs-Rakete einen Zerstörer ins Japanische Meer geschickt. Das Kriegsschiff solle mögliche Vorbereitungen für weitere Tests beobachten, berichtete am Donnerstag die Nachrichtenagentur Jiji. Regierungssprecher Yasuo Fukuda widersprach in Tokio indes Zeitungsberichten, wonach Nordkorea anscheinend letzte Vorbereitungen für einen bevorstehenden Start einer ballistischen Rakete vom Typ Rodong in Nordkorea treffe.

Die USA kündigten an, sie wollten die nach einem Luftzwischenfall mit nordkoreanischen Kampfjets Anfang März eingestellten Aufklärungsflüge vor der Küste Nordkoreas wieder aufnehmen.

Japan will Informationen sammeln
"Es gibt nicht genügend Anzeichen dafür zu sagen, dass Nordkorea den Start einer ballistischen Rakete vorbereitet. Wir werden versuchen, so viel Informationen wie möglich zu sammeln", sagte Fukuda. Wie die Zeitung "Yomiuri Shimbun" schrieb, sind die Informationen über die Testvorbereitungen auf der Grundlage von Satellitenbeobachtungen der Regierung in Tokio von den US-Streitkräften in Japan übermittelt worden. In der Zeitung "Mainichi Shimbun" hieß es, Nordkorea habe Treibstoff zu den Raketen gebracht. Unklar sei jedoch, ob bereits eine oder mehrere Rodong-Raketen, die alle Teile Japans erreichen könnten, betankt worden seien, hieß es.

Nordkorea feuerte Raketen ab
Die Rodong-Rakete hat nach südkoreanischen Schätzungen eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern. Der Test einer mehrstufigen nordkoreanischen Taepodong-Rakete über japanischem Territorium im August 1998 hatte in der Region für erhöhte Spannungen gesorgt. Am vergangenen Montag und am 24. Februar hatte das Militär des kommunistischen Landes eine Boden-Schiff-Rakete mit kurzer Reichweite abgefeuert.

Wann die USA ihre Spionageflüge über dem Japanischen Meer fortsetzen, sagte das Pentagon nicht. Am 2. März hatten sich vier nordkoreanische Abfangjäger einem Spionageflugzeug gefährlich genähert. Der Zwischenfall hatte die Spannungen wegen des umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramms deutlich verschärft.

Scharfe Kritik Nordkoreas an USA
Nordkorea kritisierte am Donnerstag die kürzliche Verlegung von 24 Langstreckenbomber auf den US-Stützpunkt auf Guam im Westpazifik. In der offiziellen nordkoreanischen Zeitung "Rodong Sinmun" wurden die USA beschuldigt, mit der Aktion "Nordkorea erpressen zu wollen und einen nuklearen Angriff vorzubereiten". Die seit langem geplante Stationierung soll nach US-Angaben vor dem Hintergrund eines drohenden Kriegs im Irak als Abschreckung dienen.

Zur Teilnahme an den derzeit laufenden Manövern von Streitkräften der USA und Südkoreas hätten die USA auch sechs F-117-"Tarnkappenbomber" nach Südkorea auf den Weg geschickt, sagte eine Sprecherin der US-Truppen in Seoul. Zum selben Zweck wird ebenfalls bis Ende der Woche der Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in Südkorea erwartet.

Nordkorea vor Uran-Atombombe?
Unterdessen warnten die USA davor, dass Nordkorea nur noch wenige Monate vor dem Einsatz von angereichertem Uran stehe, der zum Bau einer Atombombe benötigt werde. Das Uran-Programm ist nach Angaben aus Washington das zweite nordkoreanische Programm zur Herstellung von Atombomben. Im Vergleich zu einem Projekt zur Gewinnung von Plutonium soll es sich aber noch in einem früheren Entwicklungsstadium befinden.

13.3.2003 13:30