Mittwoch, 12. März 2003

Serben-Parlament wählt Zivkovic zum Regierungschef

  • 128 der 250 Abgeordneten stimmen für Djindjic-Vertrauten
  • BILDER: Das Djindjic-Attentat, die Trauer, das Portrait

Das serbische Parlament hat am Dienstag den Reformpolitiker Zoran Zivkovic (43) zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Der ermordete serbische Regierungschef Zoran Djindjic ist vorige Woche unter enormer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden.

Der Vizevorsitzende der Demokratischen Partei (DS) gilt als enger Mitarbeiter des am Mittwoch der Vorwoche in Belgrad ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. 128 der 250 Parlamentsabgeordnete stimmten für Zivkovic, 100 dagegen. Die Opposition hatte die Parlamentssitzung zunächst boykottiert.

Zivkovic hatte zuvor in seiner Rede vor den Parlamentariern betont, den Reformweg von Djindjic mit Entschlossenheit fortsetzen zu wollen.

Zivkovic war jahrelang engster Mitarbeiter von Djindjic
Der neue serbische Regierungschef Zoran Zivkovic wird es nicht leicht haben, die große Regierungskoalition zusammenzuhalten. Der 43-jährige Diplomkaufmann besitzt aber jene Arbeitsenergie, die auch für seinen Amtsvorgänger Zoran Djindjic so kennzeichnend war. Wie Djindjic neigt auch Zivkovic zu schnellen, manchmal gar voreiligen Entscheidungen, allerdings werden ihm dabei die Bildung und breite politische Erfahrung des ermordeten Parteichefs stark fehlen.

Zivkovic hatte fast zehn Jahre lang zu engsten Mitarbeitern von Djindjic in der Demokratischen Partei gezählt. Nach den großen Oppositionsprotesten im Winter 1996/97, als Djindjic in Belgrad zum ersten nichtkommunistischen Bürgermeister geworden war, war Zivkovic dieselbe Ehre in seiner südserbischen Heimatstadt Nis zugefallen.

Die zweitgrößte serbische Stadt hatte in den frühen neunziger Jahren zu "Hochburgen" der Sozialisten Milosevics gezählt. Zivkovic vermochte jedoch, unter seinen verarmten Mitbürgern oppositionellen Geist zu wecken.

Am 5. Oktober 2000 stand Zivkovic an der Spitze der Menschenkolonne, die sich zum Großprotest nach Belgrad begeben hatte. Nach der Wende war er ins Amt des jugoslawischen Innenminister berufen worden, einen Posten mit geringen Befugnissen, da die meisten Aufgaben in der Zuständigkeit seiner Berufskollegen in Serbien und Montenegro waren.

Fast Verteidigungsminister
Ursprünglich sollte Zivkovic das Amt des ersten Verteidigungsministers des neuen Staatenbundes Serbien-Montenegros übernehmen, wo er sich mit der eingehenden Militärreform befassen müsste. Durch den tragischen Tod von Djindjic ist ihm nun die undankbare Aufgabe zugefallen, die Reformregierung weiter zu leiten und für die Stabilität im Lande zu sorgen. Personaländerungen wird es im Kabinett zuerst so gut wie keine geben, eine wichtige Hilfe soll Zivkovic im Expertenteil seiner Regierung finden, der sich mit Wirtschafts- und Sozialfragen befasst.

Große Anteilnahme bei Beerdigung Djindjics
Vor der Belgrader Sava-Kirche und entlang der Straßen zum Friedhof hatten sich hunderttausende Menschen eingefunden, um Djindjic das letzte Geleit zu geben. Es war der größte Trauerzug in Belgrad seit dem Tod des jugoslawischen Nachkriegspräsidenten Josip Broz Tito im Jahr 1980.

Brutaler Anschlag
Der 50-jährige serbische Ministerpräsident war am Mittwoch vor einem Regierungsgebäude mit mehreren Schüssen mit speziell präperierter Munition niedergestreckt worden. Er starb wenig später. Es war das erste tödliche Attentat auf einen europäischen Regierungschef seit der Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme in Stockholm 1986.

12.3.2003 13:19