Dienstag, 11. März 2003

Treffen Schröder-Blair: Gespräch über Irak-Krise

  • Rumsfeld: USA auch ohne London zu Irak-Angriff bereit
  • Moskau und Paris kündigen Veto an - Abstimmung verschoben

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder berät heute in London mit dem britischen Premierminister Tony Blair über die Irak-Krise. Zum Auftakt des Treffens empfängt Blair den deutschen Kanzler gegen 17.30 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr MEZ) in der Londoner Royal Academy of Arts, wo sie gemeinsam die Ausstellung "Masterpieces of Dresden" eröffnen. Ab 19.00 Uhr Ortszeit ziehen sich die beiden Regierungschefs zu einem Arbeitsessen in Blairs Amtssitz Downing Street No. 10 zurück.

Blair steht wegen seiner Irak-Politik unter massivem Druck aus den eigenen Reihen. Er gilt in der Irak-Krise als engster Verbündeter der USA.

Der Ablauf des zunächst als informell geplanten Besuchs wurde wegen der Entwicklung in der Irak-Krise geändert. Schröder trifft Blair am frühen Abend zunächst in der Royal Academy, wo beide eine Ausstellung mit Meisterwerken aus Dresden eröffnen. Danach ziehen sich beide in Blairs Amtssitz zurück. Die zunächst angekündigte Teilnahme beider Ehefrauen an einem Abendessen wurde abgesagt.

Blair kommt als engster Irak-Verbündeter der USA auch in den eigenen Reihen immer mehr in Bedrängnis. Er will mit Schröder vor allem über Kompromiss-Chancen bei weiteren UNO-Entscheidungen reden.

Der Premier äußerte sich am Dienstag tief besorgt, dass sich Europa von den USA als seinem jahrzehntealten Bündnispartner abspalte. Deswegen müsse man eine gemeinsame Basis finden, die alle wieder zusammenbringe. Scharf kritisierte er das angekündigte Veto Frankreichs und Russlands gegen eine weitere UNO-Resolution.

Bei dem Gespräch dürfte auch die sich abzeichnende Neuorientierung in Europa als Ergebnis der Irak-Krise zur Sprache kommen. Nach Informationen aus Berlin will der Kanzler in seiner Regierungserklärung am Freitag vor dem Bundestag Überlegungen für eine engere Zusammenarbeit der Staaten "Kern-Europas" ansprechen.

Dazu gehören nach den Angaben informierter Kreise vor allem die EU-Gründungsmitglieder Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande und Luxemburg, nicht aber Großbritannien und Spanien.

Wie weiter verlautete, will Schröder auch für eine engere politische Einbindung Russlands in die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik plädieren. Auch dies dürfte in London auf Widerspruch stoßen.

11.3.2003 21:59