Montag, 10. März 2003

Dalai Lama: Tibet-Problem könnte unlösbar werden

  • 44. Jahrestag der Niederschlagung des Volksaufstandes durch chinesische Besatzungsmacht
  • Peking weist auf Fortschritte im Umweltschutz hin

Der Dalai Lama hat anlässlich des 44. Jahrestages des von der chinesischen Besatzungsmacht blutig niedergeschlagenen Volksaufstands davor gewarnt, dass das Tibet-Problem "unlösbar" werden könnte. Die Chinesen sollten sich zu Herzen nehmen, was sich derzeit an ethnischen Konflikten in allen Teilen der Welt abspiele, und versuchen, den Tibet-Konflikt friedlich zu lösen, ehe er "unlösbar" werde, warnte 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, am Montag in einer Radioansprache seinem nordindischen Exilort Dharamsala.

Chinesische kommunistische Truppen waren 1950 in Tibet einmarschiert. Am 10. März 1959 begann ein Volksaufstand, der von den Chinesen brutal niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama, das geistliche und weltliche Oberhaupt, floh damals mit rund 100.000 Landsleuten nach Indien. 1965 wurde Tibet zu einer "autonomen Region" Chinas erklärt.

Die chinesische Führung hat den Friedensnobelpreisträger beschuldigt, darauf hinzuarbeiten, "Tibet vom Vaterland abzuspalten", und zu "Aufruhr und terroristischen Aktivitäten anzustiften". Der Dalai Lama wirft Peking schwerste Menschenrechtsverstöße vor, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen am laufenden Band, sowie "kulturellen Völkermord" durch massiven Bevölkerungstransfer.

Nach Vorwürfen der Umweltzerstörung in Tibet hat China in einem umfangreichen Bericht seine Bemühungen um die Erhaltung der Natur in dem Himalaya-Land betont. Tibet sei noch immer eine der ursprünglichsten Landschaften der Welt, hieß es in dem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Bericht. Vorwürfe des Dalai Lama, China schädige die Natur, wies die Regierung in Peking am Montag scharf zurück. "Die Dalai-Clique" und Regierungsgegner hätten ihre Augen vor den Fortschritten verschlossen, die beim Umweltschutz erzielt worden seien, seit Tibet unter Pekinger Kontrolle stehe. Der Dalai Lama versuche, die internationale Gemeinschaft in die Irre zu führen und das Image Chinas zu beschädigen.

10.3.2003 13:40