Donnerstag, 13. März 2003

FORMAT: Der Aufstieg von Schüssels "eiserner Lady"

  • Porträt der neuen Frauenministerin Maria Rauch-Kallat
  • PLUS: Alle Informationen zu Schwarz-Blau, Teil zwei (Kasten)

Für Maria Rauch-Kallat geht es aufwärts. Kanzler Wolfgang Schüssels (VP) "eiserne Lady" ist kanzlertreu, emanzipiert, aber nicht widerspenstig. Und: Sie liebt den großen Auftritt. Beste Voraussetzungen, um als ÖVP-Frauenministerin bürgerliche Frauenpolitik zu symbolisieren.

Sigmund Freud hätte an dieser Jüngerin seine helle Freude gehabt. Mit ausladenden Gesten und viel Pathos in der Stimme gestaltete die neue Frauenministerin Maria Rauch-Kallat Donnerstag vergangener Woche ihre Antrittsrede vor dem Hohen Haus. Sie sprach vom schwarz-blauen Meilenstein Kindergeld, integrativer Frauenpolitik, Wahlfreiheit und echter Emanzipation – und all diese schönen Vorstellungen gipfelten in einem verhaspelten Satz: "Ich will mehr Frust als Lust in der Frauenpolitik."

Da hat wohl das Unbewußte der gelernten Pädagogin gesprochen. Denn daß sich in Rauch-Kallats neuem Aufgabengebiet Frust und Lust gerade einmal die Waage halten werden, ahnt die Ex-Generalsekretärin der ÖVP nur zu gut. Emanzipatorische Frauenpolitik ist in der zweiten Etappe der schwarz-blauen Koalition weder vorgesehen noch finanzierbar. Im Gegenteil: Viele von der Regierung projektierte sogenannte Reformen wie etwa die Pensionsneubemessung bergen in Wahrheit große Nachteile für Frauen. Andere Vorhaben wie Gleichstellung am Arbeitsmarkt und Förderung von Frauen in Spitzenpositionen sind altbekannte Lippenbekenntnisse.

Schüssels Rückendeckung
Rauch-Kallat wird also nicht viel mehr übrigbleiben, als zugegeben apartes Aushängeschild einer wenig aparten Frauenpolitik zu sein – und dabei immer schön linientreu zu bleiben. Denn Aufmüpfigkeit hat die Frau, die Anfang der neunziger Jahre als Familien- und Umweltministerin noch durch Lust an der Provokation auffiel und sich gern als "Wirbelwind der Partei" stilisierte, mittlerweile nicht mehr einkalkuliert. "Das ist auch gar nicht notwendig", meint sie treuherzig, "Wolfgang Schüssel lebt ein sehr modernes Frauenbild. Er nimmt seine Rolle als Vater sehr ernst und hat keine Angst vor starken Frauen. Wir Frauen haben von ihm die volle Rückendeckung."

13.3.2003 19:41