Sonntag, 16. März 2003

Ministerrat: Ehrenzeichen für NS-Arzt Gross aberkannt

  • Bundespräsident muss noch befasst werden

Dem früheren NS-Mediziner Heinrich Gross ist heute im Ministerrat das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse aberkannt worden. Das teilte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) auf Anfrage im anschließenden Pressefoyer mit. Gross war während des NS-Regimes in der Wiener Euthanasie-Klinik "Am Spiegelgrund" tätig. Er soll für den Tod mehrerer Kinder verantwortlich gewesen sein. Mit dem heutigen Beschluss ist die Anerkennung noch nicht endgültig. In der Folge muss noch einmal der Bundespräsident befasst werden.

Dem nunmehr 87-Jährigen Gross war das Ehrenzeichen 1975 verliehen worden. Er war damals Vorstand der 2. Psychiatrischen Abteilung des Psychiatrischen Krankenhauses der Stadt Wien und Leiter des Ludwig Boltzmann-Institutes zur Erforschung der Missbildungen des Nervensystems. Was im Lebenslauf des international renommierten Wissenschafters damals fehlte, war der Hinweis auf seine Tätigkeit in der NS-Zeit. Im Jahr 2000 erfolgte dann ein Verfahren gegen Gross wegen neunfachen Mordes. Es wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten aber eingestellt.

16.3.2003 08:13