Heidegger von Hauptzeugen massiv entlastet
- 25-Jähriger Salzburger: Ein anderer war der Täter

Entlastungsoffensive für den Angeklagten Peter Heidegger aus Gmunden im Prozess um den Tod der Salzburger Taxifahrerin Claudia Deubler: Sein damaliger Freund Tommy Sch. habe die Frau erschossen, erklärte heute der 25-jährige Salzburger Daniel N. im Zeugenstand vor Richter Peter Reifenberger und Staatsanwältin Barbara Feichtinger. Heidegger ist angeklagt, im Jahr 1993 in Salzburg die damals 28-jährige Taxilenkerin umgebracht und beraubt zu haben. Er muss sich wegen Mordes und schweren Raubes verantworten.
N. hatte bereits zirka ein Jahr nach der ersten Verurteilung Heideggers im Jahr 1994 bei der Polizei behauptet, dass sein Freund den Mord begangen hätte. Wie bei seiner ersten Aussage am 23. Juni 1994 beteuerte der Zeuge am Dienstag felsenfest vor den Geschworenen: "Ich war dabei, wie Sch. die Taxifahrerin erschossen hat."
Tathergang gefasst geschildert
Äußerlich gefasst schilderte der Salzburger Bürokaufmann den Tathergang. Er sei damals erst 15 Jahre alt gewesen und wollte mit seinem um Jahre älteren Freund nach Amsterdam fahren, um "Gras" zu rauchen. Zwei Tage vor der Mordnacht suchten sie im Keller eines Familienangehörigen nach Silber- und Goldmünzen, um die Reise zu finanzieren. "Wir fanden kein Geld, aber eine Pistole mit Patronen." Da habe Sch. beschlossen, einen Taxifahrer zu überfallen. N. dazu: "Ich war der Meinung, dass nichts passieren wird, weil sich eh keiner traut (den Überfall durchzuführen, Anm.)"
Am 5. Juli 1993 seien sie dann zwischen 22.00 und 23.00 Uhr beim Taxistand am Hanuschplatz in das Auto von Deubler gestiegen und in Richtung Wals gefahren. Sein Freund, der die Pistole eingesteckt hatte, sei hinten im Wagen gesessen. Schon während der Fahrt habe er das Klicken der Pistole gehört. "Ich war wie gelähmt vor Angst, denn von Mord war vorher nie die Rede gewesen, sondern nur von Raub." Bei einer Forststraße sei dann der Mord passiert. Nachdem er die Taxirechnung bezahlt habe (rund 130 Schilling, Anm.) öffnete Sch. die Tür und beugte sich vor, als ob ihm schlecht wäre. Die Taxilenkerin stieg aus - offenbar, um ihm zu helfen. "Da stand Tommy auf und schoss ihr in den Hals", schilderte der Zeuge.
Er selbst sei sofort davongelaufen, dabei habe er noch gehört, wie sein Freund zur Schwerverletzten geschrien habe: "Wo ist die Geldtasche, Du Sau". Sch. habe die Geldtasche genommen, das Auto abgestellt und den Schlüsselbund zirka 20 Meter in die Wiese geworfen. Während der Flucht habe sein Freund die Waffe über eine Mauer geworfen und "das private Zeug, das noch in der Geldtasche war, in einen Kanaldeckel". Ein Autofahrer eines kleinen roten zweitürigen Wagens habe sie dann ein Stück mitgenommen. Am Bahnhof, von wo sie dann nach Amsterdam reisten, habe Sch. dann die Geldtasche weggeworfen.
Ob er sich dabei nichts gedacht hätte, nach diesem Mord so ohne weiteres wegzufahren, wollte der beisitzende Richter wissen. "Er war damals meine einzige Ansprechperson. Ich musste ihm vertrauen, obwohl ich auch Angst vor ihm hatte." Warum er seine damalige Aussage vor der Polizei in weiterer Folge vor den Kriminalbeamten der Gendarmerie widerrufen habe, begründete N. : "Ich wurde unter Druck gesetzt. Die haben gesagt, ich sollte mir genau überlegen, was ich sage, sonst komme ich in den Knast." Ohne jemanden, der hinter einem stehe, sei es für ihn nicht möglich gewesen, so eine Aussage durchzuziehen. Damals habe sein Leben nur aus einem Haufen Problemen bestanden, sagte der Zeuge.
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