Montag, 10. März 2003

Kunst-Fälscher ergaunerte 3 Mio. € mit falschen Noldes!

  • 13 Aquarelle sichergestellt -Experten hielten Falsifikate für echt!
  • Gefälschtes Gutachten entlarvte Betrüger

Jahrelang soll er Kunstsinnige, Autktionshäuser, Galerien und Experten hinters Licht geführt habe - jetzt wurde der Fälscher gefasst! Der Deutsche hatte sich auf Aquarelle von Emil Nolde (mit Expertise) spezialisiert. Seine Opfer soll er um Millionen Euro geprellt haben! 13 Falsifikate mit einem geschätzten Wert von drei Millionen Euro wurden sichergestellt. Auf seine Spur führte die Fahnder eine Kunstexpertin aus dem Wiener Dorotheum!

Jene Kunstexpertin, die die beiden Aquarelle "Tiefstehende rote Sonne über blauem See" und "Gelbe Sonnenblumen" gegen einen Vorschuss entgegen genommen hatte, handelt es sich laut "Kronen Zeitung" (Montag-Ausgabe) um eine Mitarbeiterin des Dorotheums. Sie hegte als Erste Zweifel an der Echtheit der Nolde-Bilder. Nachdem das Dorotheum die Polizei eingeschaltet habe, habe die Jagd auf den Betrüger begonnen.

"Es sind perfekte Fälschungen. Die ineinander fließenden Wasserfarben, die Linienführung, aber auch die typischen Nolde-Farben ließen auch bei mir auf den ersten Blick keinen Zweifel an der Authentizität dieser Bilder aufkommen", wird die Dorotheum-Kunstexpertin Patricia Maydell zitiert.

Der Angestellten sei ein gravierender Fehler in dem mitgelieferten Gutachten aufgefallen: Dieses sei mit dem Namen "Prof. Dr. Martin Urban" unterzeichnet und mit einem Datum versehen gewesen, zu dem der mittlerweile verstorbene Nolde-Fachmann noch nicht Professor war. "Bei den gefälschten Bildern ist immer das gleiche Papier verwendet worden. Auch bei der Signatur sind Fehler passiert", bestätigt der Direktor der Nolde-Stiftung, Manfred Reuther

Der Betrüger war nach Informationen der Zeitung immer wieder in Kenia untergetaucht. Ermittlungen gegen ihn habe es nicht nur wegen Kunstfälschungen, sondern auch wegen Waffenhandels und Diamantenschmuggels gegeben.

In dem Artikel räumt die "Kronen Zeitung" auch Fehler in ihrer eigenen Berichterstattung über eine vermeintlich aufgespürte "Rubens-Oma" im Vorjahr ein: "Dass sich selbst Kunstexperten an der Nase herumführen lassen, beruhigt uns. Schließlich hat ja auch uns beide (die Reporter, Anm.) im Zuge einer Geschichte rund um das teuerste Bild der Welt unsere journalistische Spürnase getäuscht. Als es um eine Oma als Rubens-Besitzerin ging...."

Bereits 2001 hatten ihn Fahnder im Visier
Der Verdächtige, der 49-jährige Gerhard P., sitzt in München-Stadelheim ein. Geschnappt wurde er nach aufwändigen Ermittlungen in Wien und in Westösterreich am 11. Dezember in Augsburg. Bereits im Jahr 2001 war er schon einmal in Zürich verhaftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden - und setzte seine Geschäfte fort.

Gerhard P. war auch in Wien aktiv. So soll er im Jahr 2001 mit zwei Aquarellen plus den ebenfalls gefälschten Expertisen - diese werden normalerweise nur von einem Vertreter der Nolde-Stiftung in Deutschland ausgestellt - bei einem unter anderem auf Kunst spezialisierten Haus vorstellig geworden sein. Für Noldes "Gelbe Sonnenblumen" und "Tiefstehende rote Sonne über blauem See" legte er die Expertisen vor und kassierte einen Vorschuss von 32.700 Euro. Da mittlerweile ein Gutachten der Nolde-Stiftung Seebüll bei Neukirchen (Schleswig-Holstein) vorlag, fiel er um den Restbetrag von 90.800 Euro um.

Ermittler in Wien machten weiters einen Galeristen in Westösterreich ausfindig, der ebenfalls zu den Opfern des Kunstfälschers zählte. Dort wurden vier Aquarelle verkauft.

10.3.2003 09:27