Mittwoch, 5. März 2003

Der Opernball- Blues

  • PLUS: Alle Bilder von Pamela Anderson am Opernball

Heftige Nachbeben um den Opernball. Helmut Zilk will Richard Lugner die Loge verbieten. Der wehrt sich wie ums Leben: Namhafte Duellanten im Interview.

Nicht einmal mehr darauf kann man sich verlassen: dass man sich im Zusammenhang mit dem Opernball auf nichts mehr verlassen kann. Nicht einmal mehr die verfeindeten Linien stehen fest: hier der Baumeister mit seiner importierten Silikon-Mischpoche – dort die Spitzen des Staates, gesträubt ob der Mörtel’schen Penetranz. Diesmal aber tanzte der Bundespräsident ausgelassen Boogie, während das Lugner’sche Kunststoffdepot Pamela Anderson bedeckt, würdig und sittsam aus der Loge winkte. Der im Vorfeld dämonisierte Anderson-Verlobte Kid Rock war weit weniger betrunken als manch andere Frackbetuchte. Dafür schmiss Madeleine Albright, zu zivilisierteren Zeiten Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika, uneingedenk der Irak-Krise das Tanzbein.

Es war ein Ball, würdig der am nächsten Tag vollzogenen Regierungsbildung – wie immer man das verstehen mag. So dass am Ende der ORF-Übertragung der versöhnte Opernchef Ioan Holender und die frohe Elisabeth Gürtler in die Kamera sagen konnten: „Der Ball war wieder wunderschön und edel. Und in jedem Falle weit besser, als er vorab in den Medien beschrieben war.“ Kein besessener Tierschützer warf mit Kadavern, kein enthemmter Anderson-Erfreuer drosch einen Lichtbildner, kein Herr bat einen Herrn zum Tango.

Krieg der Society-Löwen
Rein statistisch betrachtet präsentierte sich der Wiener Opernball ganz auf der Höhe. 4.700 aufs Feinste herausgemachte Besucher verliehen im Wechselspiel mit 40.000 giftgelben Rosen (und der ebensolchen Gürtler) dem Ball wieder das gewisse Leuchten. Doch während rund zwei Millionen Österreicher – eine sonst nur vom Villacher Fasching erreichte Rekordquote – im Dreivierteltakt auf der Couch wippten, bahnte sich in den rot tapezierten Gängen hinter den Logen der Macht ein martialisches Zerwürfnis in Gesellschaftskreisen an.

Das Pressegetöse um die Bademeisterin i. R. Pamela Anderson erregte das Gemüt eines Stammgastes ohne Furcht und Tadel: Helmut Zilk ließ sich von den silikonischen Verlockungen der eingekauften Ballsirene nicht blenden. Der Stadtvater in Unruhe, unwirsch: „Hinter ihrer Loge konnte man nicht einmal vorbeigehen. Man wurde gerempelt, den Frauen auf die Kleider getreten. Was soll denn der Rummel?“

Pam Pam
Zilk, mit Fritz Muliar Gast in Klestils Staatsloge, zürnte noch lang nach dem Verlöschen der Lichter: „Wissenschaftler, Professoren, Schauspieler sind da. Das geht alles unter, weil der Herr Mörtel eine Dame bringt, die Airbags auf die Brüstung legt.“

Autoren: Senta Ziegler, Daniela Bardel

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    5.3.2003 13:09